deine sicht verstehe ich sehr gut. und ja, sie entspricht in weiten zügen der meinigen, wir benutzen oft eine andere terminologie. und doch ist da etwas, was nicht ganz hand in hand geht.
ich versuche das mal von einer ganz anderen seite.
du sagst, das ich entsteht durch die erfahrung, durch den kontakt mit der welt. da jeder mensch andere erfahrungen macht, ist jedes ich individuell. und genau dieser satz deutet schon an, auf was ich hinaus will. nicht die verschiedenen ichs unterscheiden sich, sondern ihre ausprägungen. das ich an sich, als erfahrung gesehen, ist in jedem menschen gleich. die formen der ichs (was ist eigentlich die merhzahl von ich? hihi) unterscheiden sich nicht, nur deren inhalte. ich will sagen, dass die erfahrung, das gefühl oder besser gesagt: die empfindung, die ein mensch hat, wenn er sich selbst ich nennt, in jedem menschen das gleiche ist. obwohl jeder komplett verschiedene erfahrungen gemacht hat, gibt es keine verschiedenen empfindungen von ich, sondern nur verschiedene individualitäten. der eine assoziiert sein ich mehr mit dem körper, der andere mehr mit seinen gefühlen, ein anderer mit seinem sozialen status. aber das ist der inhalt, nicht die empfindung, die man hat, wenn man "ich" ausspricht. es besteht also ein unterschied zwischen dem ich und der individualität. die individualität kann beschrieben werden, also kann im denken gefunden werden. das hast du getan mit "das eigene denken, der efahrungsschatz, gewohnheiten, ansichten, gefühle..."
das ich selbst kann aber nicht im denken gefunden werden. es ist nichts, was man begrifflich machen könnte, denn es ist ein zustand, eine empfindung oder man könnte auch sagen: eine wahrnehmung. versuche mal einem nicht-ich zu erklären, was ein ich ist
ich führe hier mal einen vergleich an. nehmen wir das sehen. das sehen hat eine form und einen inhalt. du kannst beschreiben, was jemand sieht, also den inhalt des sehens. und der ist natürlich vom subjekt abhängig, also ganz banal gesehen, was das subjekt im moment gerade anschaut. man kann das sehen auch physiologisch beschreiben, man kann sagen es braucht augen, nerven, hirn usw... also den inhalt und die umstände des sehens kann man gedanklich ergründen und kann es in begriffe packen. das entspräche in diesem vergleich der individuaität (der inhalt) und den umständen (physiologie) des ichs. aber den vorgang selbst, den prozess, das sehen an sich ist nicht durch das denken zu erreichen. es kann (genau wie das ich selbst) nicht gedacht und nicht abgebildet werden. man kann das sehen auch nicht sehen. ich kann nicht sehen, ob du siehst. man kann es nur erleben, erfahren, wahrnehmen. es ist nicht greifbar, es ist nichts, wenn es nicht direkt erfahren wird. es ist nichts und trotzdem da, es ist wahrheit für das individuum. es ist etwas so selbstverständliches, dass dir doch kein mensch der welt weismachen könnte, dass es das sehen nicht gäbe. allenfalls liesse sich drüber streiten, ob der inhalt des sehens der wahrheit entspricht. aber das sehen an sich ist unantastbar. und natürlich wäre in diesem vergleich das sehen dem ich gleichzustellen.
das ist genau der punkt an dem ich glaube widersprechen zu müssen. wenn individualität vom ich verschieden ist (wie oben ausgeführt, dann ist diese aussage nicht unbedingt richtig. ohne erfahrung kann es keine individualität geben, das stimmt auch für mich. aber ob es ohne erfahrung kein ich gibt, das ist meine offene frage.jedoch kann es ohne erfahrung kein wirkliches ich geben, es kann keine individualität geben.
letzten endes will ich ergründen, ob das ich dasjenige ist, was sich über das jetzige leben hinaus entwickelt und wiedergeboren wird. und für diese frage ist der aspekt, den ich hier diskutiere, sehr wichtig...



