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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Märchen aus dem Goa-Wald
BeitragVerfasst: Fr 28. Mär 2014, 21:04 
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Oh Leutchen, nehmt meine Gutnacht-Geschichten doch nicht so ernst.

Es handelt sich dabei tatsächlich um eine stark überspitzte Satire. Das mit dem "in angetrunkenem Zustand durch Zeltgetümmel zu stolpern" hab ich tatsächlich mal erlebt. War aber ganz witzig. Das war übrigens am SENF...Blödsinn...SNEF Nr. III oder so.

Die Kernaussage ist, für den literarisch interessierten Goaner völlig klar, folgendes:

1. Proggi ist scheisse
2. Proggi fördert den Drogenkonsum
3. Proggi hat Koks in die Goaszene gebracht
4. Wenn ich in den Wald kacke produziere ich...was wohl? Proggi.
Hab ich was vergessen? Ach ja: Fidirullalla

*blök*

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Märchen aus dem Goa-Wald
BeitragVerfasst: Di 4. Apr 2017, 13:44 
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SO FUCKING DETERMINED hat geschrieben:
Bässe wummern durch den dunklen Wald. Die Luft erfüllt von Räucherstäbchenduft, Chai und Hanfrauch. Kollege M. ist seit einer Weile verschwunden. Er suche nach den grünen Männchen. Nebenan streiten sich zwei Betrunkene über den Unterschied zwischen Proggi am Abend und Proggi am Morgen. Der DJ sieht aus wie ein Waldgnom mit Kapuzenjacke. Er hüpft durch die Luft wie ein Gummiball und verschüttet dabei bei jedem Sprung einen Gutsch von seinem Bier. Ein weiterer Proggi-Hit ertönt. Die Menge johlt. Andere werden schläfrig. Die grünen Männchen sind mittlerweile tatsächlich da. Zwei Typen in grasgrünen Overalls, sichtlich verstrahlt und aufgrund der mahlenden Kiefer kaum mehr in der Lage, ein Wort von sich geben zu können. Der Laser beginnt zu nerven. Der Weg durch den Wald, weg von der Laser-Zielscheibe, ist gesäumt von Kotzflecken. Der Absinth beginnt zu wirken. Alles erscheint leicht abgedämpft Kollege M. steht plötzlich hinter mir. Er hat Kollege F. mitgebracht, der nur noch auf allen Vieren vorwärts kommt. Seinen Aussagen kann ich keinen Sinn mehr entnehmen. Einige Meter entfernt schlurft ein Typ mit riesen Dreadsmähne vorbei, im Schlepptau ein schrill kicherndes Fräulein, das aussieht wie ein Weihnachtsbaum, inklusive Glöckchen an Armen und Beiden. Das nervige Rasseln übertönt beinahe die Bassline. Oder liegt diese Empfindung an was anderes?
Ob ich etwas habe zum Rauslassen, fragt mich ein kurzgeschorener Acid-Punk mit violetten Doc-Martens. Nur einen Furz, antworte ich, und lasse geräuschvoll einen fahren. Der Punk findets nicht lustig und zieht von dannen. Die Dunkelheit wird langsam bedrückend. Ausserdem finde ich das Zelt nicht. Allerdings stolpere ich über schier unzählige Zeltschnüre. Einmal falle ich direkt in einen Eingang rein, wo sich zwei Dreadheads vergnügen. Anstatt sich zu ärgern, bieten sie mir Gras, Whiskey-Cola, Koks und irgendwas anderes pulveriges, weisses an. Ich lehne dankend ab und verschwinde wieder in Richtung Dancefloor. Die Musik hat sich von Umpa Umpa zu Rumpapa Rumpapa verschoben. Dazu irgendwelche Samples von öden Pophits. Innovation scheint nicht mehr wichtig zu sein, blitzt es mir durch den Kopf. Vor dem Chaistand bildet sich eine Schlange. Somit ist wohl zwei Uhr. Die grünen Männchen sind auch dort. Sie können wieder sprechen, bringen aber nur jauchzende Laute über die extrem tolle Musik raus. Ich wünsche mir 200 mg MDMA. Um solche Musik toll finden zu können, reicht eine normale Dosis nicht. S. hab ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Sie hat mal was gesagt von kacken oder kiffen, wobei es wohl nicht dabei geblieben ist. By the way wäre ein Toitoi mal wieder wünschenswert. Die Hälfte davon scheint unbenutzbar zu sein. Jedenfalls hängen Zettelchen an den Türen mit der Aufschrift "System überfordert!" Entweder ein Scherz oder schlechtes Management. Sie lassen sich immerhin öffnen. Beim Anblick, der sich einem dann bietet, wünscht man sich aber, kein Nahrung verdauendes Wesen mehr zu sein. Also halt in den Wald kacken, wie alle anderen auch. Irgendwer räumt es ja eh weg und wenn nicht...die Wälder sind eh fürn Arsch und der ganze Planet erst recht. Also weiter im Text. Wo ist mein Absinth? Und meine Tasche? Welches Arsch? Kollege M. muss meinen Absinth genommen haben. Dabei hat er in seiner Paranoia doch eh das Gefühl, es sei flüssiges Plutonium.
Im Off ertönt ein weiterer Hopsassa-Hit. Fehlt nur noch, dass sie Ballermann laufen lassen. Den vollgespickten Gummibällen wird es keinen Unterschied machen. Neben mir versucht jemand, sein IPhone am Toitoi anzuschliessen. Er ist kaum ansprechbar. Murmelt verwirrtes Zeugs von "Musik aus der Quelle des Universums durch Intuition aufladen." oder so ähnlich. Ich versuche ihm zu erklären, dass das Toitoi keine Steckdose hat und dass Toitois nichts mit Intuition zu tun haben. Er scheint mich nicht zu verstehen. Irgendwie hat sich das Wort Toitoi in seinem Kopf so verdreht, dass Intuition daraus geworden ist. Immerhin steckt er das Ladegerät wieder ein. Er drückt irgendwas auf seinem IPhone herum. Dabei erkenne ich, dass der Bildschirm völlig mit Kotze verschmiert ist. Ich rate ihm, das IPhone irgendwo hinzulegen und zu verschwinden. Irgendwer wird es dann schon stehlen. Dann kann er sich ein anständiges Natel kaufen. Stattdessen ertönt plötzlich Neelix aus den verkrusteten Lautsprechern des NullPhone. Ich versuche ihn in ein Gespräch über Weitwurf zu verwickeln. Er steigt sofort ein. Wenige Minuten später wirft er das IPhone in weitem Bogen weg. Ich klatsche in die Hände, gebe ihm ein Taschentuch, damit er sich die Finger putzen kann und verabschiede mich.
S. erscheint wieder. Sie kichert über die "lustige" Anordnung der Bäume und schlendert wieder davon.
Aah, DJ-Wechsel. Nach dem üblichen sphärischen Gedümpel beginnen wir wieder wie gehabt bei 120 bpm. Der DJ sieht aus, als wäre er erst gerade vor einigen Minuten aus dem Winterschlaf erwacht. Er erscheint genau so apathisch wie die Musik, die er auflegt. Ich gehe zu ihm und sage ihm, er solle die Anlage doch mal an einem Toitoi anschliessen. Tönt vielleicht besser. "Aber de Symphonix isch eh de geilst!" ertönt es müde aus seinem von verfaulten Zähnen bestückten Mund. Ein hoffnungsloser Fall.
Gegen Morgen fällt der musikalische Anspruch unter den Gefrierpunkt. Das Häufchen völlig verhängter Freaks auf dem Dancefloor wippt nur noch sachte von einem Fuss auf den anderen. Überall liegt Abfall. Es sieht aus, als wäre ein Meteorit eingeschlagen, in seinem Inneren ein parasitärer Same, ein invasiver Neophyt, der sich in Form von Abfall über dem Waldboden ausbreitet. Nebst Zigarettenstummel liegen allerlei Kleidungsstücke, Teile von Ghettoblastern, Bierdosen, Zigarettenpapierchen und -Päckchen, alte Schuhe, Sperma, Kot und Pisse und allerlei anderer Krimskrams herum.
Der letzte DJ. Ganz normal gekleidet. Fast langweilig in der Erscheinung. Er schliesst einen grauen Kasten an. Das wird doch nicht etwa...Kurz darauf ertönt es aus vollem Rohr. Direkt volle Kanne ins Gehirn. Acidlines, wirr ineinander verschachtelt, übereinander getürmt, ein Feuerwerk aus Gerassel, Geblubber, Geratter, ein loderndes Sound-Inferno. Der richtige Sound zum völlig falschen Zeitpunkt. Entsetzen breitet sich auf den bleichen Gesichtern aus. Das gesamte Partyvolk lässt alles stehen und liegen, lässt alles fallen, die Muskeln verstarren sich, nur noch die Beine funktionieren. Und mit lautem Geheul und Gewimmer rast die gesamte Herde wie vom Teufel geritten in die Tiefen des Waldes, derart von Panik erfüllt, dass das Fussgetrappel noch zehn Minuten später zu hören ist. Nur einige wenige bleiben und gehen ab, als würden sie das erste Mal in ihrem Leben tanzen. Die rasenden Frequenzen nehmen derart Gestalt an, dass sie sich in Form von windenden, farbigen Schlangen über den Waldboden ziehen und sämtlichen Abfall in Luft auflösen. Nach kurzer Zeit sieht alles wieder aus wie vorher, nur dass das DJ-Pult noch da steht, der hochkonzentrierte Maestro in seinem Element, umgeben von einem Kreistanz in elektrisierter Ekstase.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so tanzen sie noch heute.



asfqv2


an den märchen ist oftmals mehr wahres dran, als an echten geschichten 8-[

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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Märchen aus dem Goa-Wald
BeitragVerfasst: Mi 5. Apr 2017, 19:19 
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Ist amüsant das wieder einmal zu lesen.

Wie soll ich sagen? Wenn ich mich an, sagen wir mal: intensivere Goazeiten erinnere, kommen mir manchmal so meine Gemütszustände in den Sinn beim Anblick des chaotischen, verhängten, verstrahlten Partyvolks. So ein Gefühl von Zusammenhalt, das sich aber nur einstellt, wenn man selbst völlig verkatert ist. Ansonsten fragt man sich "was machen die da???".

Es hat einfach ein ganz bestimmtes Flair, sich in einem solchen Haufen zu befinden. Alles ist irgendwie abgefuckt und zugedröhnt. So eine gewisse Partyromantik.

Schöne Erinnerungen... *seufz*

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