Ich plane, zu verreisen. Definitiv und endgültig. Man kann es Freiheitsdrang, Ausbruch oder Rebellion nennen. Jedenfalls habe ich genug. Einfach genug. Ich kann mich nicht weiter in dieses System einfügen, während rundherum alles nach und nach zusammen bricht und alle immer wahnsinniger werden. Ich poste das hier, weil ich mir denke, dass es anderen vielleicht auch so geht. Also reisen wir zusammen. Treffpunkt am Sonntag, 20. April 2014, um 12 Uhr mittags am Bahnhof Basel beim Treffpunkt.
Nun die weiteren Ausführungen:
1. Warum verreisen?
Seit ich mir eine kritische Meinung bilden kann, bin ich auf der Suche. Also seit mehr als 10 Jahren. Ich suche und suche, stelle Fragen über Fragen, hinterfrage mich selbst, hinterfrage die Welt, das Universum, all und alles. Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich die Antworten nicht in mir selbst finde. Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich mich nicht in dem Umfeld befinde, in das ich reingehöre. Und ich bin zum Schluss gekommen, dass ich nicht gesellschaftsfähig bin und nie sein werde. Also muss ich weg. Weg aus der Schweiz zuerst einmal. Kaum ein Land ist so verkorkst und beschränkt. Ich glaube, das liegt am Geld. Müsste ich die Zukunft der Schweiz prophezeien, dann würde ich mir sie etwa so vorstellen. In den nächsten Jahren wird die SVP immer mehr Erfolg haben, ihre Politik wird immer radikaler, bis sie sich irgendwann mit der PNOS zusammen schliesst. Die Grenzen werden geschlossen, Ausländer verfolgt und diskriminiert. Die Schweiz wird zu einem Bunker, einer Festung des Wohlstands inmitten Europas, das nach und nach verserbelt. Daran will ich nicht mehr teilnehmen. Meine provisorische Route wäre: zuerst einmal Genf-Provence. In der Provence würde ich gerne bei der Longomaï-Kooperative vorbeischauen. Diese hat sich aus der 68-er-Bewegung heraus gebildet und setzt sich seit 40 Jahren ein für eine nachhaltige Landwirtschaft. Viele Freaks und Aussteiger haben dort eine Bleibe gefunden. Aber ich glaube nicht, dass ich dort bleiben würde. Ich würde sagen, dass sich ein Abstecher nach Spanien und Portugal sicherlich auch lohnen würde. Danach...wer weis. Es ist nicht immer gut, alles zu planen. Bricht man aus der Gesellschaft aus, muss man sich sowieso darauf gefasst machen, dass alles anders kommt als geplant.
Wie verreisen?
Von Basel nach Genf erstmal mit dem Zug. Da ich noch mein Gleis 7 habe, kann ich abends gratis reisen. Falls tatsächlich jemand mitkommt, der kein Geld hat und kein Abo, könnte man auch zu Fuss oder per Anhalter gehen. Ab Genf ebenfalls zu Fuss oder per Anhalter.
Ich habe mich inspirieren lassen von den Wandergesellen. Ich hatte in meinem Leben schon mit einigen aus diesem ungewöhnlichen Völkchen zu tun und ich war immer wieder sehr positiv überrascht darüber, wie symapthisch diese Menschen sind. Sie haben sich teilweise an einen strengen Kodex zu halten. Das ist das was mir zuwider wäre. Aber die Philosophie dahinter und die jahrhundertealte Tradition, die dahinter steckt, fasziniert mich. Und die Wandergesellen zeigen auch: Es geht! Drei Jahre und ein Tag sind die unterwegs, mehrheitlich zu Fuss, oft praktisch geldlos, nur das allernötigste dabei.
Organisation?
Es gibt nicht viel zu organisieren. Ich werde mich nirgends abmelden und mich von kaum jemandem verabschieden. Ich bin ein freier Mensch. Das System versucht uns zu halten, indem es sagt: Du musst zuerst auf dieses Amt und auf jenes Büro und dieses und jenes abmelden, und denen Bescheid sagen und es diesen mitteilen. Es soll so schwierig wie möglich sein, einfach so mal auf unbestimmte Zeit zu verreisen. Wir sollen brave Schäflein sein, die brav und ruhig im Stall bleiben und weiterhin auf unserer Kacke rumtrampeln, bis wir darin ersaufen. So will ich auch andere ermutigen: Befreit euch von den Ketten des Systems. Diese Ketten sind nur imaginär. Wir sind freie Menschen. Wir können gehen, wohin wir wollen und wann wir es wollen.
Und...so gesehen ist es wohl ein One-Way-Ticket. Einmal draussen, kann und will ich nicht mehr zurück. Die grossen, weiten Weiden rufen.
Gepäck?
Kommen wir nun zum Eingemachten.
Ist diese Idee verrückt?
Gegenfrage: Ist diese Welt verrückt? Wer jetzt nicht mit ja antwortet, kommt wohl nicht von der Erde. Natürlich ist diese Idee verrückt und durchgeknallt. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit mehr. Ich fühle mich ständig als Fremder in einem fremden Land. Ich gebe mich nach aussen als angepasst und systemkonform. Aber in mir drin sieht es anders aus. Ich sehne mich nach Menschen, die wie ich denken und mit denen ich am selben Strick ziehen kann. Ich dachte, ich würde Erfüllung finden in der biologischen Landwirtschaft, indem ich diese Ausbildung mache. Aber meiner Meinung nach dreht sich auch die biologische Landwirtschaft mehr oder weniger im Kreis:
- Das Problem der fossilen Brennstoffe wird schlicht und einfach vom Tisch gewischt. Mein Chef meint, er überlasse die Entwicklung von neuen Technologien lieber anderen. Jeder Biobauer benutzt Diesel-Traktoren.
- Zwar wird Tierfreundlichkeit gross geschrieben, aber betrachtet man die systematische Ausbeutung von z.B. Kühen, wird einem manchmal fast schlecht. Fleischkonsum ist eines der grössten Probleme der Menschheit. Wären alle Menschen veganer, hätten wohl auch alle genug zu essen.
- Auch Biobauern sind zu einem grossen Teil mehr oder weniger beschränkte SVP-Wähler, die über andere schimpfen und froh sind, wenn es vor allem ihnen gut geht.
- Innovation und das Betreten von Neuland ist zwar ein grosses Thema in der biologischen Landwirtschaft. Aber das Problem ist, dass eine allzu alternative Produktionsweise in der Schweiz schlicht und einfach nicht möglich ist. Es sind sowieso erst 6% der Schweizer Bauern Bio. Und in einem Land, in dem die Chemielobby so stark ist und das so sehr vom Geld regiert wird, wird man meiner Meinung nach nie auf einen grünen Zweig kommen. Es ist übrigens nur eine Frage der Zeit, bis auch in der Schweiz gentechnisch veränderte Organismen zugelassen werden. Die Lobby, die dahinter steckt ist dermassen mächtig und hat wirklich überall ihre Finger drin. Früher oder später ist es soweit.
- Auch Biobauern sind von Saatgut-Herstellern abhängig. Alte Sorten geraten immer mehr in Vergessenheit. Die Einführung von Hybrid-Saatgut, das auch in der Biolandwirtschaft eingesetzt wird, verhindert zudem die Produktion von eigenem Saatgut. Gerade Longomaï setzt sich schon lange ein für die Bewahrung von alten Sorten.
Ich bin nicht dafür geschaffen. Punkt. Ich habe keine Lust mehr, mich für einen Hungerlohn abzurackern und mich immer mehr in den Fängen dieses Systems zu verheddern. Wie konsumsüchtig auch ich geworden bin, wird mir immer wieder immer heftiger bewusst. Ich will daran nicht mehr teilnehmen. Mein Herz sagt nein. Ich will die Menschen suchen gehen, die wie ich denken und die mich verstehen. Diejenigen, die versuchen, Gegenpole zu setzen zu diesem globalen Wahnsinn.
Ich bin diese Woche noch hier und werde immer mal wieder vorbeischauen. Für den Fall, dass mich jemand davon abbringen oder mich in diesem Vorhaben bestärken will. Schlussendlich entscheide sowieso ich selber. Und ich bin so verdammt entschlossen (engl.: So fucking determined).



