Unsere Gesellschaft sollte eigentlich schnellstens einen grundlegenden Wandel durchmachen. Doch dieser Wandel ist schwierig zu bewerkstelligen, weil die Gesellschaft an Normen und Regeln festhält. Vieles davon sind ungeschriebene Gesetze.
Sagen wir es mal so: Es gibt überall "Konsumverweigerer". Der Begriff ist recht dehnbar. Aber darunter stelle ich mir einen Menschen vor, der irgendwie glaubt, begriffen zu haben, dass er nicht dauernd muss neue Kleider kaufen, nicht dauernd muss die neusten technischen Errungenschaften haben, also schlussendlich nicht immer konsumieren muss. Die Steigerung davon ist der "Aussteiger". Der sagt sich eines Tages "fuck the society" und wandert aus...in den Dschungel oder in die Steppe, nach Grönland oder meinetwegen nach Goa, liegt dort unter eine Palme, lässt sich die Haare wachsen und nennt sich irgendwann Goa Sepp...oder so.
Aber ist das die Lösung? Stellt euch vor alle würden das machen. Bei der Masse an Menschen die auf der Erde leben, wäre das Resultat wohl ziemlich...strange.
Machen wir einen Vergleich mit Tieren: In einer Kuhherde sehen alle etwa gleich aus. Natürlich gibt es da andere Fleckenmuster, andere Farben etc. aber im Grunde sind alle gleich. Es wäre undenkbar, dass plötzlich eine Kuh sich die Hörner irgendwo abrammt und fortan ein Leben ohne Hörner führen will. Der Vergleich ist blöd, denn Tiere sind ja keine Menschen. ABER ich finde, in gewissen Bereichen wäre es überlegenswert, sich an Tieren zu orientieren. Immerhin scheitert der Mensch daran, im Einklang mit der Natur zu leben. Tiere haben damit kein Problem, sie sind ja Teil der Natur.
Also stellt euch vor, der Mensch würde sich am Riemen reissen und zurück gehen zur Natur, all die ach so tollen Errungenschaften hinter sich lassen, schamanische Rituale veranstalten, all das Esoterik-Zeug nicht nur lesen, sondern auch leben. Rein die Vorstellung...das kann nicht gehen...unmöglich.
Also anders. Aber wie? Weiterentwicklung der Technologien in Richtung dimensionenübergreifende Energienutzung? Alles ist ja Energie. Die Barriere zwischen dieser Erkenntnis und dem Übergang zu einer solchen Energienutzung gründet in Zeit und Raum. Aber würden wir soweit kommen, wäre das ebenfalls eine Art Konsumverweigerung. Und ich glaube nicht, dass dafür alle Menschen bereit wären. Denn wie sieht ein Dasein als multidimensionales Wesen wohl aus? Womöglich würde man dann einfach als undefinierter Energiefluss irgendwo im All umhergondeln. Das Denken wäre wohl dermassen abstrakt, dass wir es uns nicht vorstellen können und ob eine Ich-Erkenntnis noch vorhanden ist, ist auch fraglich. Es wird wohl eher eine Alles-Erkenntnis sein. Unmögliche Vorstellung.
Aber das ist alles recht abgehoben und ich will mich nicht noch mehr verzetteln.
Fragen über Fragen...
Vor allem frage ich mich: Lebe ich mein Leben so weiter wie bisher, wie werde ich mich fühlen nach dem Tod? Ich werde wohl grenzenlos verwirrt sein. Klar: Wieso sollte man sich das fragen? Was zählt ist das Leben. Aber das Leben dauert nur eine gewisse Zeitspanne und was danach kommt ist gar nicht mehr zeitrelevant oder anders: unendlich.
Die Zeit in der ich mich völlig mit den Goafreaks (konkreter: mit ihrem Äusseren) identifiziere ist auch langsam vorbei. Denn was bringt es, sich die Haare wachsen zu lassen und verfilzen zu lassen? Klar, ich sehe dann anders aus und alle können sehen "aha, das ist ein Freak, der ist anders, der denkt anders als die anderen, der wird wohl weiter sein als ich." Wobei wohl viel öfters "aha, wieder so ein stinkender Goaner. linkes, grünes Lumpenpack. Haben alle keinen Job und nehmen Drogen" gedacht wird. Man grenzt sich also ab von der ach so dummen Gesellschaft und scheitert dann hie und da, weil Menschen Vorurteile haben und Bilder im Kopf haben von stinkenden Goanern, die an Umpf Umpf-Parties abstürzen, in das Drogenmilieu abrutschen und irgendwann als verwahrloste Gestalten auf der Strasse enden.
Nicht dass ich so denken würde. Ich finde tatsächlich, dass viele Menschen in der Goaszene weiter denken, als der 0815-Schweizer-Bürger.
Aber manchmal stelle ich mir so vor: Lieber den anderen Vorgaukeln, ein Teil der Herde zu sein und somit deren Akzeptanz und Respekt erhalten, jedoch innerlich versuchen, über die Herde hinauszuwachsen.
Denn was zählt ist ja nicht das Äussere, sondern das Innere. Das wissen wir ja alle eigentlich ziemlich gut.
Aber das Dilemma geht weiter auf einer nächsten Stufe: Denn innerlich möchte ich mich endlich erheben, aufsteigen, erleuchten. Die Gesellschaft jedoch lebt ein sehr materialistisches Weltbild vor. Konsum, Konsum, Konsum! Als Teil der Herde nehme ich automatisch daran Teil und unterstütze somit unseren Untergang. Ich habe ja Internet, ich habe ja einen MP3-Player und ich habe Kleider und ich produziere ja Müll und brauche Atomstrom und lasse mich andauernd von der Werbemaschinerie beeinflussen, wodurch ich unbewusst den Willen entwickle, mehr zu wollen. Mehr Geld, mehr Macht, mehr Einfluss, mehr Konsum. Und wenn ich mehr Geld habe, will ich ein grösseres Haus, einen schnelleren Computer, schönere Kleider. Das ist kaum aufzuhalten.
Die Gesellschaft ist ein Teufelskreis. Es gibt kaum eine Lösung, kaum einen Ausweg. Als einzelner Mensch kann man kaum etwas tun. Man kann sich wie gesagt von der Herde abgrenzen. Doch je mehr man das tut, desto mehr wird man von der Herde ausgegrenzt und landet irgendwann an einem Punk, an dem man alleine ist. Und das ist definitiv nicht erstrebenswert. Denn alleine kommt Mensch heutzutage kaum mehr klar.
Eine Lösung wäre wohl, wenn sich grundlegende Veränderungen in Regierungen entwickeln. Die ganze bio-ökö-alternativ-weg von Erdöl-Welle ist sicherlich eine gute Entwicklung.
Hmmm, also: Gibts ein Fazit?
Vielleicht so: Go with the flow.
Momentan ist es wohl am Besten, sich nicht zu sehr von der Herde zu entfernen, insbesondere wenn man sich tagtäglich in ihr befindet. Eines Tages kommt ein umfassender Bruch...und das wird nicht mehr allzu lange dauern. Schlussendlich ist es ja eigentlich egal. Wir sind unendlich. Was wir mit unserer kurzen Zeitspanne, die wir Leben nennen machen, ist uns überlassen. Natürlich sollten wir uns dann und wann bewusst machen, dass wir eines Tages sterben und dass wir uns dann mit einem neuen Abschnitt vertraut machen müssen. Aber bis dann sollten wir vielleicht einfach auch mal geniessen. Denn im Genuss, im Gefühl der unendlichen Freiheit gründet das grösste Potential für neue Welten. Weg mit der Angst, weg mit Sorgen, Nöten, Beklemmnissen.
Die Frage meiner Identität habe ich aber immernoch nicht geklärt. Ich bin Mensch. Aber was für ein Mensch? Ich wäre gerne ein Übermensch. Aber krampfhaft danach zu streben bringts auch nicht. Wahrscheinlich ist das auch eine Entwicklung, die irgendwann mal kommt.
Boah, das wird ein langer Text. Aber während dem Schreiben kommen mir irgendwie die meisten Einfälle. Und ich glaube ich habe die Lösung gefunden. Also: Gelassen sein, sich treiben lassen und erst wenn das Gefühl einer unendlichen Unbeschwertheit und Freiheit eintrifft, haben wir das Potential zum Übermenschen. Das beinhaltet auch, dass wir unsere Neigungen, unsere Gedanken zu jedem Moment vorbehaltlos akzeptieren. Eben: Go with the flow.
Das könnte es sein. Ich weis es nicht, aber ich werde es mal ausprobieren.
Ich wäre eben gerne ruhiger und unbeschwerter, völlig frei von Angst und Sorgen. Wer will das nicht. Dazu braucht es Akzeptanz, Liebe, Respekt...und eben auch Gemeinschaft! Abgrenzung ist keine Lösung.
Wie war das nochmal? PLUR!
Womit wir wieder bei den Hippies wären.
