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 Betreff des Beitrags: Emmas Zug
BeitragVerfasst: Mi 14. Nov 2018, 08:46 
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Registriert: Do 25. Okt 2018, 22:39
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Emmas Zug. /color
Er wusste genau wo seine Finger die kleinen Rundungen in seiner Jeans ertasten würden. Er hatte sie vor einer halben Stunde, vorne rechts in die kleine Kondom Tasche gesteckt, als er den Dealer nach der zweiten Tüte verlassen hatte. Mit dem unterschwellig Paranoiden Verfolgungswahns eines hypersensitiven Canabinolisten bewegte er sich in Manier eines Sherlock Holmes über den belebten Züricher Hauptbahnhof. Die Menschen machten ihn unruhig solange er noch dermassen paniert durch die Gegend flog . Wo war nur das verfickte Gleis 6. Wie sollte man sich auch in dieser frigiden und höchstwahrscheinlich keimfreien Mamorverschalung zurechtfinden? In 10 min würde der Zug nach Chur losfahren, und er brauchte noch Wasser oder egal was ...Die Gänge schienen ihm Endlos. Rolltreppe runter- Rolltreppe hoch. Überall Verkauf, Aktion und Sonderangebot in einer Kakophonie der Farben und Formen.  Er war schon lange Out of the Game. Kaufte nur wenn nötig, und wenn dann immer zweckmässig. Schnell suchte er seine Umgebung nach den benötigten Informationen  ab. Da die Gleise :15-33, nein tiefer dachte er, ich brauche es tiefer. Er drehte sich um. Da war es ja: 1-10. Geschafft. Wo war nochmal dieser verdammte Kiosk. Scheisse, nur noch 3 min. *Fuck.* Dann eben das WC.

Einsteigen.

Das Abteil ist gut gefüllt mit Männern die von der Arbeit in ihren Feierabend fahren. *Ich Feier jetzt schon*, dachte er sich.  Die Unruhe, gleich von einem Orkan der Emotion mitgerissen zu werden hatte ihn eingepackt und machte sich als Bauchgefühl, gleich wenn man kurz vor einer Schlägerei steht, und das Schubsen vorbei, die ersten Schläge Hämmern sollten, über dem Bauchnabel bemerkbar.

Die kleine Kabine des WC s ist  spärlich beleuchtet, als sein Mund sich über das Nierenförmiege Waschbecken beugt um die kleine Pille zu schlucken. Er versucht gar nicht erst den Geschmack des Wassers zu erahnen. Gott weiss woher- und wie lange...aber in der Not frisst der Teufel fliegen, nicht wahr?
Das Gesicht das ihn im Spiegel anblickt sagt : *Zu spät, nicht wahr, jetzt ist es schon zu spät?
Er sagt: Ja, aber wenn es soweit ist, sollte auch das egal sein.*
Mit freudiger Erwartung machte er sich auf den Rückweg zu seinem Platz in der 2. Klasse.
Es sollte eine wilde Fahrt werden.


Zeit 17.45 gerade Zürich raus im Interregio nach Chur. Landschaftlich wird einiges geboten. Vorbei am Züriisee, hinein ins Rheintal mit seinem wunderschönen Bergen und dem Atemberaubenden Walensee der von Felsmasiven gleich den Rücken eines Drachens umschlungen im Saftigen Grün ....aber Fuck it .

Vor 5 min hatte er sich das Teil geschmissen.

Das Bauchgefühl hat sich zu einem Unwohlsein ins negative Verschoben.

Das Ego plapperte munter drauf los:

Wenn das jemand sieht! Die werden dich erwischen! Die werden die Bullen rufen! Du bist so was von im Arsch! Die Dinger sind vergiftet! Du wirst einfach durchdrehen und sie werden dich einliefern!
In deinem Alter! Du wirst einfach nie erwachsen! Scheiss Junkie!!! Unter der Woche das du dich nicht schämst.!!!

Etwas unruhig betastete er seine Jacke und Hose, danach schon mit etwas panischem Ansatz durchforstete er seine Tasche. Wo zum Teufel war seine Fahrkarte! Was er auf jeden Fall vermeiden wollte war ein verbales Stelldichein mit dem netten Mann oder Frau der Schweizerischen Bundesbahn. Im Idealfall liesse es sich auf einen Nano-sekündlichen Blickkontakt reduzieren.

Aber dafür musste er Vorbereitet sein. Das Billett musste griffbereit sein, an einer vorher definierten Stelle. Nur wo? Im Geist ging er nochmal den Ticket Kauf durch. Den Bezahlvorgang und die Handgriffe. Ach so. Geldbeutel- zweite Innenseite bei der Kreditkarte rechts unter der Krankenversicherung, zwischen der Passkarte für die Bibliothek damit ich sie schnell finden würde...

Super Einfall, dachte er und zusammen mit dem Ego verteufelte er Grass, den Anbau, die ganze Industrie und sich selbst.

Musik wäre jetzt niiiiicht schlecht.

In gewohnt lässiger Fingerarbeit gleich einem Konzertpianisten durchflog er seine Youtube Playlist mit dem Titel : Fucking Musik.

Zeit 17:58

„Grüzi mitanand, bitte alli ihri Bielet vorwiesse !“„Grüezi“ „Merci“„Schöne Obig no“

(Werd ich haben)

„Adee“„Adee“

Erledigt.

Sein Gefühl im Magen hatte nun eine gewisse Dringlichkeit erreicht, und sein Kopf fühlte sich an als wäre er in einer Sauna mit frischem Aufguss.

Es wurde heiss.

18:10

Nicola Cruz spielte Danza de Vision als alles leicht wurde.

Das Licht bekam Wärme und sein Strahlen wurde sauber.

Die Beine wurden von Strom massiert, der in einer Art floss, die ihn absolut Verzückte.
Sein Körper verwandelte sich in ein pulsierendes Kraftwerk das nur noch positiv geschaltet war.

Er hob seine jetzt feuchten Hände und machte sich auf, seinen Kopf zu streicheln.

Als er bei den Backen anlangte war sein Gesicht schon mit einem Grinsen versehen, und noch bevor er die ersten Härchen seines kurz rasierten Kopfes berührte, wusste er was Phase war. Jedes Haar das er Berührte schien seinen eigenen Kosmos zu Besitzen, er könnte  jeden erfassen.
Es strömte wärmendes Glück durch seinen Körper. Sein Kopf, dermassen aufgefordert sich doch mal locker zu machen, kam der Aufforderung nach, mit einer geradezu lächerlichen ÜBERREAKTION.
„Du willst Glück? Gönn dir ! "
Er streckte die Füsse und konnte ein Lustvolles Stöhnen nicht unterdrücken.
Alles wurde intensiver und hatte eine Klare Botschaft Du bist gut- Du bist schön- du bist geil -
geniessen.
Er lehnte sich zurück und schloss die Augen.
Das Ego war beschäftigt mit Staunen.

An diesem Abend war der Zug von Zürich nach Chur ein wahres Quell der Freude. Und die Freude flog dahin zwischen Drachen und Seen in die Dunkelheit.


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 Betreff des Beitrags: Re: Emmas Zug
BeitragVerfasst: Mi 14. Nov 2018, 19:40 
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Das liest sich spannend. Bitte fortsetzen [-o<

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...zünde lieber eine Kerze an, anstatt die Dunkelheit zu verdammen!

...und was wir im Feuer verlieren finden wir in der Asche wieder!

...aber die wichtigsten Dinge, sind ohnehin nicht Dinge!


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