Fallen Angel 2 hat geschrieben:Ich bin mit der Pyramide nicht ganz einverstanden. Wenn man die Historie der Menschheit so anschaut, sind insbesondere Religiöse Motivationen oftmals höher und wichtiger eingestuft worden, als zum Beispiel Sicherheit (wenn man an Kriege denkt) oder körperliches Wohlergehen (Fasten, Ablasshandel).
Könnte es sein, dass die Menschen (also der einzelne Mensch) nicht einfach langsam die Stufen hinaufklettert, sondern im Gegenteil, jede dieser Stufen *gleichzeitig* "benötigt" um sich selbst zu verwirklichen, bzw. zufrieden - oder gar glücklich zu sein in seinem Leben?
ich sehe den wiederspruch den du ansprichtst nicht so ganz wie du. ich stimme dem 2. teil dieser aussage voll und ganz zu, ohne darin ein mängel an der pyramide zu sehen.
jedes schema, jede aussage, jeder gedanke und jedes gedicht ist genau so wahr oder "unwahr" wie die pyramide, denn sobald wir versuchen etwas zu verstehen, vergleichen, erklären oder beschreiben wird es gfälscht, weil es unmöglich ist in jedem moment jedes staubkorn miteinzubeziehen. und dennoch ist es ein grosses bedürfnis der menschen dinge zu verstehen, sie beschreiben zu können um sie als erfahrungen mitzuteilen und weiterzugeben.
man kann es auch so anschauen. jeder mensch hat unzählige facetten und in jeder dieser facetten kann er eine aufgabe sehen und sich in ihr weiterentwickeln. wie du es ja schon sehr schön mit diesem "würfel" beschrieben hast. so kann zum beispiel religion eine dieser facetten ausmachen (wie es bienchen sehr treffend ausformuliert hat), auch essen, sport, musik, karriere usw
jede spitze dieses würfels kann man als kleine maslow pyramide ansehen... wie in einem fractal.
wenn man sich in gewissen lebensbereichen auf einer stufe stehen bleibt und sich woanders verwirklicht, macht man plötzlich einen spagat. die folge daraus ist, dass man entweder wieder ein stück zurückfällt oder man den knoten löst um weiter hinaufgehen zu können.
maslow sagt mit der pyramide aus dass der mensch zuerst einen vollen magen haben muss bevor er sich mit anderem beschäftigen kann. damit ist gemeint, dass wenn man hunger hat, man damit beschäftigt ist etwas zu essen zu finden, bevor man sich überlegt warum wir auf diesem planeten sind. ich finde dies ziemlich logisch.
Fallen Angel hat geschrieben:Es ist eine einigermassen irrige Vorstellung, dass man etwas bestimmtes erreicht, und dann ist alles super. Oder besser.
ich glaub nicht, dass die ausage der pyramide ist. sie ist ein schema und auch als solches zu verstehen.
Fallen Angel hat geschrieben:Wenn mit dem Erreichen von einer bestimmten Stufe dieser Pyramide, eine andere Stufe dieser Pyramide sozusagen weniger wichtig genommen wird, wie wirkt sich das auf das Wohlbefinden aus?
die spitze einer pyramide kann nur stehen wenn der sockel schon errichtet ist, also kann man logischerweise keine stufe ausser betracht lassen. das ist ein teil der essenz einer pyramide.
jede stufe der pyramide ist ein
bewusstseinszustand: grundbedürfnisse, sicherheitsgefühl, soziale bindung, selbstachtung, selbstverwirklichung, transparenz/erleuchtung. wobei der 6. punkt die spitze ist.
in der pyramide die du hier zeigst, stehen blos beispiele dafür wie man diese bewustseinszustände erreichen kann.
es gibt noch mehr grundbedürfnisse als essen und trinken, das ist die liebe. sie geht wie ein roter faden durch die ganze pyramide und ist sozusagen der wegweiser.
die liebe beginnt nicht erst bei den sozialen kontakten... das schreibst du ja oft genug in deinen beiträgen. bevor man andere lieben kann muss man sich selbst und das leben lieben.
mit "sicherheit" sind nicht versicherungen, gesetze usw gemeint. sondern die innere sicherheit, zu wissen, dass man lebt und es noch einige zeit geniessen kann. wir schliessen versicherungen ab und verabschieden gesetze, weil sie uns diese sicherheit versprechen. sie halten sie aber nicht, was dazu führt, dass man oft mit einem bein auf dieser stufe stehen bleibt. (spagat)
Fallen Angel hat geschrieben:Kann man nur einfach essen und trinken und sich wohl fühlen? Kann man nur fasten und beten und zufrieden sein? kann man nur arbeiten, oder gar nichts tun - und ist dann "verwirklicht"?
das verstehen ich nicht ganz. fals du dies als gegenargument bringst und behauptest dies würde die pyramide aussagen, dann hast du sie nicht ganz verstanden.
und fals du denkst diese fragen können mit ja beantwortet werden... hmm... denkst du wirklich dass jemand der genug zu essen hat sich trotz todesangst, einsamkeit, langeweile, selbstverachtung wohlfühlt?
jemand der fastet, tut dies nicht weil er keine nahrung hat, das ist ein enormer unterschied. er tut es weil er sich dafür entschieden hat und nicht weil er dazu "gezwungen" ist. (im sinne von er würde gern essen, kann es aber aus einem bestimmten grund nicht)
beim fastenden sind die grundbedürfnisse also gedeckt, auch wenn er keinen gebrauch davon macht. es geht nur darum den bewusstseinszustand erreicht zu haben.
Fallen Angel hat geschrieben:Maslow geht davon aus, dass man nur dann irgendwie lust hat, sich um die Situation des Planeten zu kümmern, oder um seine Familie, wenn man vorher alle anderen Stufen der Pyramide verinnerlicht hat. Dies ist meines Erachtens eine vereinfachte Darstellung des Menschen, die nur ansatzweise (d.H. manchmal) aufgeht, nicht aber grundsätzlich.
ich denke nicht das maslow davon ausgeht. sonst gäbe es nicht so viele schriften, die die pyramide versuchen zu erklären. es reicht nicht sie anzusehen und sie als abgeschlossene aussage zu betrachten.
hier treffen sich unsere ansichten ziemlich genau auf einem punkt wieder:
Fallen Angel hat geschrieben:Grundsätzlich würde ich persönlich sagen, ist der Mensch eher so etwas wie das hier:

Eine Art Würfel, wobei alle Vertiefungen, diejenigen Bereiche des Einzel-Mensch-Bewusstseins (oder seines Lebens) sind, die zu wenig, oder gar kein Beachtung erhalten haben, in letzter Zeit - während die Spitzen (die Ecken und Kanten) das sind, was diesen Mensch beflügelt, worin er gut ist, und was ihm Freude und Energie beschert.
Ist es womöglich gar nicht so sehr das Ziel, wie in einem Computerrollenspiel Level für Level weiter zu kommen, sondern vielmehr seine Vielseitigen Facetten auszuleben, anzuerkennen, und auch zu suchen/finden.
Auf dass man eines Tages so aussieht:
Nicht unbedingt im Sinn von "abgerundet" oder "geschliffen" - nein eher im Sinn von ganzheitlich und erfüllt.
der unterschied liegt darin, dass ich diese ausage auch in der maslow pyramide wiederfinden kann. die pyramide kann man genau so gut auf das ganze wesen eines menschen anwenden wie auf jede einzelne facette. die bedeutung der pyramide, ist also dass man die stufen mit seinem ganzen wesen gehen muss, dass man jede facette weiterentwickeln soll.
wenn man mit irgendeim thema auf irgendeiner stufe hängenbleibt und sich aber in anderen bereichen weiterentwickelt. schnellt man zurück.
dies sind für mich die in der gesellschaft sogenannten "schicksalsschläge". sie weisen uns auf knoten in unserem bewusstsein hin.