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BeitragVerfasst: Fr 9. Jul 2010, 08:32 
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Was mir wichtig scheint ist folgendes nicht zu vergessen.

Die Wahrheit gibt es nicht.

Was als Wahrheit bezeichnet wird ist rein Subjektiv!

Der Radikale Konstruktivismus (RK) nimmt für sich in Anspruch, das Wahrheitsproblem gelöst zu haben, indem er aus dieser Zirkularität heraustritt.
Da alle Wahrnehmung subjektiv ist, ist auch die Sicht der Welt oder die Sicht von Dingen ausschließlich subjektiv.
Es gibt daher nur miteinander konkurrierende subjektive Wahrheiten.
Ein Vergleich mit der Sache selbst ist aus systematischen Gründen nicht möglich.
Ernst von Glasersfeld bezieht sich dabei unter anderem auf die Sapir-Whorf-Hypothese, die besagt, dass man mit der Muttersprache die in dieser enthaltenen und ausgedrückten Wahrheiten erlernt. Verschiedene Muttersprachen stehen somit auch für verschiedene Wahrheiten.
Der RK gibt daher konsequent den Begriff der einen Wahrheit und damit der Wahrheit selbst aus systematischen Gründen auf.

siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Radikaler_Konstruktivismus

Weiterführend finde ich die Kybernetik besonders interessant.

Wie denkt Ihr darüber?

Grüässli Dala

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BeitragVerfasst: Fr 9. Jul 2010, 11:10 
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"alles ist möglich und nichts ist wahr"

-> ist die aussage, dass wahrheit nicht existiert, als wahr zu betrachten? spielt es eine rolle was ist?

-> hat jeder mensch eine eigene vorstellung von "Sein" und "wahrheit" (und somit hat jeder recht)? oder gibt es eine allgemeine für alles geldende "wahrheit"?

-> wieso sucht der mensch nach diesen dingen? was hat der mensch davon, zu wissen was ist?

-> wie steht es um "nihilismus"?

-> "gott"?

->fiktion?

-> dogma?


->....

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BeitragVerfasst: Fr 9. Jul 2010, 11:11 
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Hmmm sehr philosophisch.,..
Ich denke, dass der Konstruktivismus in abgeschwächter Form durchaus seinen Reiz hat...
Auf der anderen Seite ist es aber auch gefährlich, nichts als DIE Wahrheit zu zu lassen.
In der Psychologie, Soziologie und Linguistik gibt es durchaus auch praktische Ansätze die auf der Annahme des Konstruktivismus basieren und bis anhin auch methodische Erfolge verbuchen konnten. In dem Sinn gibt es eben in der Wissenschaft die Wahrheit für uns nicht, weil wir sie ja nicht erfassen können..Theorien können nie verifziert werden...

Aber ist ne gute Frage...bin gespannt was von den anderen noch so kommen wird... :-k

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BeitragVerfasst: Fr 9. Jul 2010, 14:31 
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ich denke über die "absolute" Wahrheit (in Einzahl), kann nur philosophisch diskutiert werden, da, ja wie schon erwähnt, die einzelnen Betrachter der absoluten Wahrheit nur eine subjektive Wahrheit sehen können. Vielleicht ist die Betrachtung der absoluten Wahrheit wie mit einer Taschenlampe in einem dunklen Raum hin und her zu leuchten und so zu versuchen den ganzen Raum wahr zu nehmen . Dies wird aber nie ganz möglich sein. Ich bin überzeugt, dass es eine absolute Wahrheit gibt, sie jedoch nicht mit unseren Sinnen komplet erfassbar, "wahr-nehmbar" ist. Gleich wie unsere Sinne keine Röngenstrahlen sehen können, doch sie sind immer vorhanden . Man sollte Respekt vor der absoluten Wahrheit haben, als Symbol nehme ich gerne die Natur. Vieles was in Ihr geschiet sieht in unserem Wahrheitsbild unlogisch oder brutal aus. Aber genau diese Natur erschuf in 4milliarden Jahren eine Spezies die sich überhaupt über die Wahrheit gedanken machen kann ;)

Auch dies wurde schon erwähnt, gäbe es keine absolute Wahrheit, oder alles ist Wahr, dann wäre dies die absolute Wahrheit ;)

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BeitragVerfasst: Sa 10. Jul 2010, 08:11 
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ich glaube, dass der radikale konstruktivismus zu den wertvollsten gaben gehört, die uns menschen als erlernbare fähigkeiten zur verfügung stehen.
wer diese fähigkeit hat, hat ein viel größeres bild von der realität, lässt viel mehr möglichkeiten und türe der wahrnehmung offen und ist viel mehr in der lage starre (alte wissenschaftliche) konzepte wegzuwerfen und sich selbst täglich oder sogar jede sekunde neu zu hinterfragen.
der mensch ist dann nicht mehr in einer vermeintlichen objektiven realität gefangen, die meistens von der masse diktiert wird und darauf basierend konsensuell genannt wird ( also basierend auf konsens der mehrheit). und die wahrnehmung ist nicht mehr so brutal antropozentrisch - von uns menschen ausgehend.

ich habe großen respekt vor menschen, die den radikalen konstruktivismus verstanden haben und praktizieren können. schliesslich eröffnet er uns völlig neue dimensionen der wahrnehmung. ja, was wäre die realität, wenn ich immer im kopf behalten könnte, dass meine wahrnehmung auf "annahmen" ausgerichtet ist. änderst du die annahmen, ändert sich die realität komplet ...als würdest du die konstanten in einer formel ändern - dann kommst du natürlich auf völlig andere ergebnisse. und es ist genau , was uns menschen von der künstlichen intelligenz unterscheidet. dem robot oder computer ist ja völlig klar, dass er eine künstliche welt konstruirt , die eine von milliarden welten sein könnte. wenn sein programm ( grundannahmen in der hypothese über die realität) geändert wird - kommt er auf absolut andere funktionen, fähigkeiten, äussere visuelle erscheinungen in der realität ( im bildschirm).... alles relativ also.

es ist echt eine wichtige fähigkeit , die den menschen offen ist. aber ich persönlich habe das gefühl. nicht viele können das. die meisten sind eher viel zu star im geiste. ich gehe aber stark davon aus, dass die wissenschaft selbst einen radikalen konstruktivismus in den nächsten paar jahrzehnten voraussetzen müsste, um den neuen aufforderungen der quantenphysik gerecht zu werden. was sie aber ohnehin schon immer getan hat - eine wissenschaftliche hypothese aufzustellen ist ja immer ein kleiner versuch für radikalen konstruktivismus. aber das wird dann eben nicht von der masse praktiziert sondern von sogenannten lone derangers, einsame verrückten oder eben insane scientists. die masse an sich ist extrem weit von diesem begriff. sie hat noch lange nicht gerafft, dass sie nichts weiß....

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BeitragVerfasst: Sa 10. Jul 2010, 10:54 
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Beiträge: 31
Zitat:
Verschiedene Muttersprachen stehen somit auch für verschiedene Wahrheiten.


auf jeden fall. und das muss auch gar nicht negativ aufgeladen sein - es ist halt so. deswegen ist sprachen lernen immer so transzendental. es befreit uns von starren wahrnehmungsperspektiven.

da steht es ja ganz klar im verlinkten artikel im eingangspost:
Zitat:
Erkennen (als Tätigkeit des Nervensystems) wird von ihm interpretiert als Errechnen einer Realität. Mit Errechnen ist ein ständiger Prozess gemeint, der nie zu einem abschließenden Resultat gelangt. Wissen existiert somit nicht statisch, in der Form einer stabilen Wirklichkeitsrepräsentation oder in molekularer Form, sondern wird immer wieder neu errechnet


und wie wird es errechnet - jedenfalls aus den konstruktionen, die wir als muttersprache im kopf haben und den dazugehörenden bedeutungen. :)

das ist genau wie mit programmiersprachen. mit unterschiedelichen programmiersprachen können wir auf unterschiedliche ergebnisse und grenzen kommen. die grenzen sind dabei ganz wichtig - änderst du die sprache, gestaltet sich die realität völlig anders - mindestens im bereich der cybernetik. ;) der computer würde aber nie so wie uns denken und sagen - na, ab hier ist aber alles unmöglich.... absurd. alles ist möglich...


Zitat:
-> wieso sucht der mensch nach diesen dingen? was hat der mensch davon, zu wissen was ist?



naja, mindestens kann er dann jede sekunde davon ausgehen, dass er sich komplet irren könnte und wieder ganz von anfang anfangen könnte - mit anderen ausgangsannahmen. ich finde, das befreit. nicht nur mich als individuum ( denn wenn es nur darum ginge, bräuchte ich ja gar nicht das thema mit anderen menschen besprechen sondern könnte ich ja völlig auf einen einsamen radikalen konstruktivismus zurückgreifen - nennt man in der fachsprache wahnsinn)....sondern auch als gruppe von menschen, die öfters nicht zusammen zurechtkommen können, weil die andersdenkenden rausgefiltert werden. schon mal minimale abweichungen von der konsesualen realität reichen da komplett. also würde uns das einfach als spezies ein bisschen davon befreien, uns immer gesellschaftlichen zwängen unterzuordnen - wie die welt zu sein hat. .

die welt kann alles sein. von heute auf morgen, von dieser sekunde auf die nächste könnte ich schon komplett was anderes wahrnehmen. und nichts ist so wie es scheint. eigentlich finde ich es sogar fast frech, zu glauben, dass die erkenntnis etwas starres und festes ist und nicht jede sekunde neu ensteht:)))). wer sind wir menschen um so was zu behaupten, dass wir feste erkenntnisse hätten?

lg und sonnige grüße, tina

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BeitragVerfasst: So 11. Jul 2010, 07:52 
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mmh, und ich ich dachte RK sei eine Theorie und keine Fähigkeit...

Die Erkenntnis ist bestimmt nichts starres, stehtig wandelbar und formbar. nur hilft es für den Alltag und um die Dualität zu bewältgen wenn man "Erkenntnise" im Augenblick als wahr nimmt :D

wir sehen die Dinge so wie wir sie sehen wollen. unsere Absicht und unsere Motivation tragen einen wesentlichen Beitrag dazu bei was wir sehen wollen. Meine augenblickliche Situation/Identifikation trägt dazu bei wie ich die Dinge sehe und wie ich mit der "Welt" & "der Wahrheit" umgehe. Der Mensch oder ich zumindest, ist ein Meister des Paradoxen. Einmal argumentiere ich vollkommen logisch, berechnend und wissenschaftlich (zB bei der Arbeit) ein anderes mal emotional, intuitiv, chaotisch (zB beim Spaziergang und Spielen mit den Kindern im Wald).
ich denke es ist die Selbsterkenntnis die uns die Wahrheit der anderen offenbart.
Die RK ist für mich auch wieder nur eine Theorie die Dinge in eine Wahrheit einbezieht (zB Wissen wird vom denkenden Subjekt aktiv aufgebaut.) und Dinge aus einer Wahrheit ausschliesst (zB Wissen wird nicht passiv aufgenommen, weder durch die Sinnesorgane noch durch Kommunikation.)
Und Lezteres, sorry, wird doch auch passiv aufgebaut. Ich denke noch niemand von uns hat zB sich einmal den Gedanken darüber gemacht wieviel Abstand zwischen fremden Menschen sein sollte damit man sich noch wohl fühlt. Wir wissens einfach weil wir irgendwann passiv uns die Limite "erfühlt" haben.
sowohl als auch / entweder oder war von gestern ;)
baba und gruss Leuchti

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BeitragVerfasst: Mo 12. Jul 2010, 21:27 
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realität isch au nur es fünkli vodem was würkli schint und wahrhaft isch #-o
der mensch sieht nur das in der aussenwelt klar, was er mit dem lichte seines inneren bestrahlen kann..
(de mensch isch garnöd fähig wahrheit z'erkenne :P)
schön hät jede sis eigne bild... /bigs

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Zuletzt geändert von nexus am Di 13. Jul 2010, 19:15, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Di 13. Jul 2010, 07:55 
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chunt mer gad in sinn:

"die Realität ist etwas für Leute ohne Phantasie"

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BeitragVerfasst: Di 13. Jul 2010, 09:48 
time wave zero hat geschrieben:
ich glaube, dass der radikale konstruktivismus zu den wertvollsten gaben gehört, die uns menschen als erlernbare fähigkeiten zur verfügung stehen.
wer diese fähigkeit hat, hat ein viel größeres bild von der realität, lässt viel mehr möglichkeiten und türe der wahrnehmung offen und ist viel mehr in der lage starre (alte wissenschaftliche) konzepte wegzuwerfen und sich selbst täglich oder sogar jede sekunde neu zu hinterfragen.
der mensch ist dann nicht mehr in einer vermeintlichen objektiven realität gefangen, die meistens von der masse diktiert wird und darauf basierend konsensuell genannt wird ( also basierend auf konsens der mehrheit). und die wahrnehmung ist nicht mehr so brutal antropozentrisch - von uns menschen ausgehend.

ich weiss auch nicht, ob man das verständnis des RK als fähigkeit bezeichnen sollte. denn ganz gleich wie sehr man sich hinterfragt, wird man nach dem RK niemals über ein bloß vermeintlich objektives bild der realität hinauskommen. konzepte in frage zu stellen, dogmen aufzulösen usw. führt letztendlich zu neuen theorien, die vielleicht besser begründet sind und weniger widersprüche enthalten, aber nach dem RK ändert das nichts an der kluft zwischen der verursachenden kraft (agens) und dem subjektiven konstrukt des beobachters. denn er kommt aus dem gefängnis (=beschränkung) seiner beobachtung nicht heraus.

das wesentliche des RK ist, dass kein vergleich mit der absoluten realität möglich ist, somit - und das kommt noch hinzu - kann niemals gesagt werden, wo wir uns befinden - ob uns ein bestimmter schritt irgendwo näher gebracht hat oder nicht. etwas, was praktisch besser begründet zu sein scheint, muss nicht zwangsläufig der absoluten wirklichkeit näher sein. wir können also - im sinne des RK - nicht von einem "größeren bild von realität" sprechen (selbst dann nicht, wenn wir alles in frage stellen), solange wir keinen vergleich zur realität haben - und den haben wir nie (deswegen "radikal").

dass man als wissenschaft bzw. als aufgeklärte wissen schaffende gemeinschaft jedoch stets (selbst)kritisch/zweifelnd sein sollte, muss nicht vom verständnis oder gar der annahme des RK abhängen. es reicht die erkenntnis, dass unsere urteile erfahrungsgemäß ungenau bzw. fehleranfällig sind.


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BeitragVerfasst: Do 22. Jul 2010, 17:14 
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hier noch ein link, der euch interessieren koennte :
http://www.radikalerkonstruktivismus.de/

Zitat:
Im heutigen Kommunikationszeitalter hat die Kommunikations- und Realitätsforschung einen hohen Stellenwert. Deshalb gehören die Erkenntnisse des Radikalen Konstruktivismus (RK) heraus aus der Nische der Philosophie und hinein ins Handeln der Menschen!




Zitat:
Es soll ferner gezeigt werden, dass der Glaube, es gäbe nur eine Wirklichkeit, die gefährlichste all dieser Selbsttäuschungen ist; dass es vielmehr zahllose Wirklichkeitsauffassungen gibt, die sehr widersprüchlich sein können, die alle das Ergebnis von Kommunikation und nicht der Widerschein ewiger, objektiver Wahrheiten sind...


lg:)


p.s. und noch was in diesem zusammenhang - das projekt real theater aus dem link oben:
http://www.realtheater.de/
es geht um die schamanischen urspruenge des theaters. so wie man das in griechenland kannte...

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BeitragVerfasst: Sa 20. Jan 2018, 12:31 
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