Aktuelle Zeit: Di 13. Nov 2018, 22:15

Alle Zeiten sind UTC - 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 50 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4  Nächste
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: Mi 7. Sep 2011, 15:14 
Offline
Platin Member
Platin Member

Registriert: Mo 5. Jul 2010, 17:07
Beiträge: 1966
Wohnort: Haus WG am Berg
Narada und der Bauer

Der Bhakta Narada taucht immer wieder in den indischen Offenbarungsschriften auf. Es heisst, dass er in ewig jugendlicher Gestalt zu allen Zeiten und durch alle materiellen und spirituellen Welten reist. In Gottesliebe versunken, spielt er auf seinem lautenähnlichen Instrument, der Vina, deren Ton in den Herzen der Lebewesen die unverhüllte göttliche Liebe erweckt.

Narada tritt als Schüler, als Lehrer, als ewiger Freund und Diener Gottes auf. Verspielt scheint dieser Weise, der oftmals im freudigen Eifer sein eigenes Wesen fast vergessend, die Rolle des Unwissenden, des Strauchelnden annimmt - und so anderen unvollkommeneren Wesen durch sein Beispiel den Weg zum Heil weist.

Von einem dieser Spiele erzählt die folgende Geschichte ...


Wie Narada Muni durch die Welten schweifte und schliesslich zu den Lotosfüssen Sri Vishnus gelangte, da ergriff ihn unversehends der Hochmut. Selbstzufrieden sein Dasein überschauend, meinte er, es gäbe keinen frömmeren Menschen als ihn. Der Herr, der sich im Herzen eines jeden Lebewesens befindet, kannte diesen Gedanken und sprach zu ihm: “Mein lieber Narada. Bestimmt bist du ganz erpicht darauf, einen grossen Heiligen und wahren Jünger von mir kennenzulernen. Gehe deshalb dort an jenen Ort und suche den Bauern, der dort mit seiner Familie lebt. Lerne von ihm, auf dass du vom Glück begünstigt werdest.”

Voller Erwartungen begab sich Narada an den bezeichneten Ort und fand den Bauern. Wie ihm geheissen war, liess er sich nieder und beobachtete dessen Tun, um daraus zu lernen. Der Bauer erhob sich in aller Frühe und arbeitete den ganzen Tag mit seinem Pflug auf dem Felde bis der Abend hereinbrach, und er zurück in sein Heim ging. Narada konnte nichts aussergewöhnliches feststellen, ausser dass der Bauer zweimal am Tage den Namen Gottes aussprach, ohne sein Pflügen zu unterbrechen. Er dachte bei sich: “Wie kann dieser Bauer ein Heiliger sein? Ich sehe, wie er seinen weltlichen Pflichten nachgeht. Nichts deutet darauf hin, dass er besonders fromm oder weise wäre.”

Narada Muni kehrte daraufhin zum Herrn zurück und erzählte Ihm, was er bei dem Bauern beobachtet hatte und was er davon hielt. Lächelnd entgegnete der Herr: "Nun denn, Narada. Nimm eine randvoll mit Öl gefüllte Schale und geh mit ihr einmal um die ganze Stadt. Komm dann zu mir zurück, aber achte aufmerksam darauf, dass du nicht einen Tropfen verschüttest.”

Verwundert zwar, aber voller Entschlossenheit, kam Narada der Aufforderung nach. Schritt für Schritt sorgfältig abwägend, setzte er einen Fuss vor den anderen, immer peinlich darauf bedacht, nicht einen Tropfen Öl aus der Schale zu verlieren. Endlich am Abend hatte er seinen Rundgang beendet und kehrte zum Herrn zurück.
Dieser begrüsste ihn freundlich und fragte ihn alsdann: “Und? Wie ist es dir ergangen? Hast du einen Tropfen Öl verschüttet?“
“Gut ist es mir ergangen, oh Herr. Keinen einzigen Tropfen habe ich verschüttet!” antwortete Narada Muni stolz.
“Oh, sehr schön. Und wieviele Male hast du denn beim Rundgang auch an Mich gedacht?”
Beschämt erwiderte Narada: “Nicht ein einziges Mal, Herr. Wie hätte ich das tun können, da ich doch meine ganze Aufmerksamkeit auf diese bis zum Rande mit Öl gefüllte Schale richten musste?”
Der Herr antwortete darauf: “Diese eine Schale mit Öl nahm deine Aufmerksamkeit so sehr in Anspruch, dass du mich darüber völlig vergassest. Nun schau dir diesen Bauern an, auf den du eitel herabblicktest. Obgleich die gewaltige Bürde seiner weltlichen Pflichten auf ihm lastet, erinnert er sich täglich zweimal an Mich.”

_________________
Verzweifle nicht an der Gewichtigkeit der Dinge,
neben Elefanten gibt's auch

SchMetteRlinge

(Harry Pegas)


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Fr 9. Sep 2011, 05:29 
ein windows-nt-nutzer (4.10,11,12,13) hat geschrieben:

...und da er allein war, fragten ihn die um ihn waren, samt den zwölfen über die gleichnisse...
...und er sprach zu ihnen: euch ist das geheimnis des reiches gottes gegeben; denen aber draussen widerfährt alles durch gleichnisse,
auf dass sie es mit sehenden augen sehen und doch nicht erkennen, und mit hörenden ohren hören und doch nicht verstehen, auf dass sie sich nicht etwa bekehren und ihnen nicht vergeben werde.
und er sprach zu ihnen: versteht ihr dies gleichnis nicht, wie wollt ihr dann die andern alle verstehen?


8-[


Nach oben
  
 
BeitragVerfasst: Di 22. Mai 2012, 18:46 
Friedrich aka Zarathustra in 'von der verkleinernden Tugend' hat geschrieben:
Ihr werdet immer kleiner, ihr kleinen Leute! Ihr bröckelt ab, ihr Behaglichen! Ihr geht mir noch zu Grunde -
- an euren vielen kleinen Tugenden, an eurem vielen kleinen Unterlassen, an eurer vielen kleinen Ergebung!

Zu viel schonend, zu viel nachgebend: so ist euer Erdreich!

Aber dass ein Baum gross werde, dazu will er um harte Felsen harte Wurzeln schlagen!

Auch was ihr unterlasst, webt am Gewebe aller Menschen-Zukunft; auch euer Nichts ist ein Spinnennetz
und eine Spinne, die von der Zukunft Blute lebt.

http://www.gutenberg.org/cache/epub/7205/pg7205.html


Nach oben
  
 
BeitragVerfasst: Di 22. Mai 2012, 22:25 
Offline
Platin Member
Platin Member
Benutzeravatar

Registriert: Mi 7. Nov 2007, 15:08
Beiträge: 1983
Wohnort: am See
Zitat:
Auf Fröhlichkeit folgt Leid!
Ein jeder, der das Fleisch der Fische isst,
Wird von den Fischen gefressen werden.
Und ein jeder, der verschlingt, wird verschlungen werden.
Und ein jeder, der trinket Wein und Met,
Wird Wasser trinken wie ein Fisch;
Und ein jeder, der das nicht weiss, wird es erfahren.
(Livaden Geris)

Es ereigneten sich unheilvolle Erdbeben und Überschwemmungen, und eines folgenschweren Tages und in einer ebebnsolchen Nacht begab es sich, dass alle ihre Krieger von der Erde verschlungen wurden, und die Insel Atlantis selbst verschwand im Meer-der Ozean bleibt an dieser Stelle bis zum heutigen Tage unpassierbar und unerforschbar, da eben dort eine schlammige Untiefe entstand, wo einst die Insel in den Fluten versank. (Plato Timaeus)

_________________
Liebe Respekt Anarchie


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Mi 23. Mai 2012, 04:47 
Offline
Platin Member
Platin Member

Registriert: Mo 5. Jul 2010, 17:07
Beiträge: 1966
Wohnort: Haus WG am Berg
Glück oder Unglück, wer weiß das schon?
Im alten China lebte einst ein armer alter Bauer, dessen einziger Besitz ein
wundervoller weißer Hengst war. Selbst der Kaiser träumte davon, dieses Pferd
zu besitzen. Er bot dem Alten Säcke voller Gold und Diamanten, doch der Alte
schüttelte beharrlich den Kopf und sagte: "Mir fehlt es an nichts. Der Schimmel
dient mir seit vielen Jahren und ist mir zum Freund geworden. Und einen Freund
verkauft man nicht; nicht für alles Geld der Welt." Und so zogen die Gesandten
des Kaisers unverrichteter Dinge wieder ab.
Die Dorfbewohner lachten über soviel Unvernunft. Wie konnte der Alte bloß
wegen eines Pferdes soviel Reichtum und Glück ausschlagen?
Eines Morgens war das Pferd verschwunden. Die Dorfbewohner liefen aufgeregt
vor dem leeren Stall zusammen, um das Unglück des alten Bauern zu beklagen.
"Sag selbst, Alter, hat sich deine Treue gelohnt? Du könntest ein reicher Mann
sein, wenn du nicht so eigensinnig gewesen wärst. Jetzt bist du ärmer als zuvor.
Kein Pferd zum Arbeiten und kein Gold zum Leben. Ach, das Unglück hat dich
schwer getroffen."
Der alte Bauer blickte bedächtig in die Runde, nickte nachdenklich und sagte:
"Was redet ihr da? Das Pferd steht nicht mehr im Stall, das ist alles, was ich
sehe. Vielleicht ist es ein Unglück, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon so
genau?" Tuschelnd gingen die Leute auseinander. Der Alte musste durch den
Schaden wirr im Kopf geworden sein. Anders ließen sich seine Worte nicht
erklären.
Einige Tage später, es war ein warmer, sonniger Frühlingstag und das halbe Dorf
arbeitete in den Feldern, stürmte der vermisste Schimmel laut wiehernd die
Dorfstraße entlang. Die Sonne glänzte auf seinem Fell, und Mähne und Schweif
flatterten wie feinste Silberfäden im Wind. Es war ein herrlicher Anblick, wie er
voller Kraft und Anmut dahergaloppierte. Doch das war es nicht allein, was die
Dörfler erstaunt die Augen aufreißen ließ. Noch mehr Staunen riefen die sechs
wilden Stuten hervor, die hinter dem Hengst hertrabten und ihm in die offene
Koppel neben dem leeren Stall folgten.
"O du glücklicher, von den Göttern gesegneter Mann! Jetzt hast du sieben Pferde
und bist doch noch zum reichen Mann geworden. Bald wird Nachwuchs deine
Weiden füllen. Wer hätte gedacht, dass dir noch einmal soviel Glück beschieden
wäre?" riefen sie, während sie dem alten Mann zu seinem unverhofften Reichtum
gratulierten.
Der Alte schaute gelassen in die aufgeregte Menge und erwiderte: "Ihr geht zu
weit. Sagt einfach: Jetzt hat er sieben Pferde. Ob das Glück bringt oder Unglück,
niemand weiß es zu sagen. Wir sehen immer nur Bruchstücke, wie will man da
das Ganze beurteilen. Das Leben ist so unendlich vielfältig und überraschend."
Verständnislos hörten ihm die Leute zu. Die Gelassenheit des Alten war einfach
unbegreiflich. Andererseits war er schon immer etwas komisch gewesen. Na ja,
sie hatten andere Sorgen.
Der alte Bauer hatte einen einzigen Sohn. In den folgenden Wochen begann er
die Wildpferde zu zähmen und einzureiten. Er war ein ungeduldiger, junger Mann,
und so setzte er sich zu früh auf eine der wilden Stuten. Dabei stürzte er so
unglücklich vom Pferd, dass er sich beide Beine mehrfach brach. Obwohl die
Heilerin ihr Bestes tat, war allen klar, dass seine Beine nie wieder ganz gesund
werden würden. Für den Rest seines Lebens würde er ein hinkender, behinderter
Mann bleiben.
Wieder versammelten sich die Leute vor dem Haus des Alten. "O du armer, alter
Mann!" jammerten sie, "nun entpuppt sich dein Glück als großes Unglück. Dein
einziger Sohn, die Stütze deines Alters, ist nun ein hilfloser Krüppel und kann dir
keine Hilfe mehr sein. Wer wird dich ernähren und die Arbeit tun, wenn du keine
Kraft mehr hast? Wie hart muss dir das Schicksal erscheinen, das dir solches
Unglück beschert."
Wieder schaute der Alte in die Runde und antwortete: "Ihr seid vom Urteilen
besessen und malt die Welt entweder schwarz oder weiß. Habt ihr noch immer
nicht begriffen, dass wir nur Bruchstücke des Lebens wahrnehmen. Das Leben
zeigt sich uns nur in winzigen Ausschnitten, doch ihr tut, als könntet ihr das
Ganze beurteilen. Tatsache ist, mein Sohn hat beide Beine gebrochen und wird
nie wieder so laufen können wie vorher. Lasst es damit genug sein. Glück oder
Unglück, wer weiß das schon."
Nicht lange danach, rüstete der Kaiser zum großen Krieg gegen ein Nachbarland.
Die Häscher ritten durchs Land und zogen die Väter und Söhne zu Kriegsdiensten
ein. Das ganze Dorf war von Wehklagen und Trauer erfüllt, denn alle wussten,
dass die meisten Männer aus diesem blutigen und aussichtslosen Krieg nicht
mehr heimkehren würden.
Wieder einmal liefen die Dorfbewohner vor dem Haus des alten Bauern
zusammen: "Wie recht du doch hattest. Jetzt bringt dein verkrüppelter Sohn dir
doch noch Glück. Zwar wird er dir keine große Hilfe mehr sein können, aber
wenigstens bleibt er bei dir. Wir sehen unsere Lieben bestimmt nie wieder, wenn
sie erst einmal in den Krieg gezogen sind. Dein Sohn aber wird bei dir sein und
mit der Zeit auch wieder mithelfen können. Wie konnte nur ein solches Unglück
über uns kommen? Was sollen wir nur tun?"
Der Alte schaute nachdenklich in die Gesichter der verstörten Leute, dann
erwiderte er: "Könnte ich euch nur helfen, weiter und tiefer zu sehen, als ihr es
bisher vermögt. Wie durch ein Schlüsselloch betrachtet ihr das Leben, und doch
glaubt ihr, das Ganze zu sehen. Niemand von uns weiß, wie sich das große Bild
zusammensetzt. Was eben noch ein großes Unglück scheint, mag sich im
nächsten Moment als Glück erweisen. Andererseits erweist sich scheinbares
Unglück auf längere Sicht oft als Glück, und umgekehrt gilt das gleiche. Sagt
einfach: Unsere Männer ziehen in den Krieg, und dein Sohn bleibt zu Hause. Was
daraus wird, weiß keiner von uns. Und jetzt geht nach Hause, und teilt die Zeit
miteinander, die euch bleibt

_________________
Verzweifle nicht an der Gewichtigkeit der Dinge,
neben Elefanten gibt's auch

SchMetteRlinge

(Harry Pegas)


Zuletzt geändert von Leuchtherz am Mi 23. Mai 2012, 06:47, insgesamt 1-mal geändert.

Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Mi 23. Mai 2012, 05:16 
:ove:

Oh Mann!

Lüüüüüchtiii ich lieb di!

Dä Text suechi jetzt scho sit Monate!

Eis vodä gröschte Meischterwerch, wo unbedingt is Archiv ghört.

Lustig isch, dasi dä Afang so no gar nöd kännt han, erscht so zimmli ab det wos dänn abbricht.

Chaschmer dä in voller Längi zuecho lah? Dadefür wär dr unbeschriiblich dankbar! Link würds scho tue ;)


Nach oben
  
 
BeitragVerfasst: Mi 23. Mai 2012, 06:49 
Offline
Platin Member
Platin Member

Registriert: Mo 5. Jul 2010, 17:07
Beiträge: 1966
Wohnort: Haus WG am Berg
/color Dude und sorry das mein halbwachheit heut morgen auch nur den halben text kopierte... sollte nun alles sein ;)

_________________
Verzweifle nicht an der Gewichtigkeit der Dinge,
neben Elefanten gibt's auch

SchMetteRlinge

(Harry Pegas)


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Do 14. Jun 2012, 16:38 
Zitat:
Aber da unten - da redet Alles, da wird Alles überhört. Man mag seine Weisheit mit Glocken einläuten: die Krämer auf dem Markte werden sie mit Pfennigen überklingeln!

Alles bei ihnen redet, niemand weiss mehr zu verstehn. Alles fällt ins Wasser, Nichts fällt mehr in tiefe Brunnen.

Alles bei ihnen redet, nichts gerät mehr und kommt zu Ende. Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?

Alles bei ihnen redet, Alles wird zerredet. Und was gestern noch zu hart war für die Zeit selber und ihren Zahn: heute hängt es zerschabt und zernagt aus den Mäulern der Heutigen.

Alles bei ihnen redet, Alles wird verraten. Und was einst Geheimnis hiess und Heimlichkeit tiefer Seelen, heute gehört es den Gassen-Trompetern und andern Schmetterlingen.

Oh Menschenwesen, du wunderliches! Du Lärm auf dunklen Gassen! Nun liegst du wieder hinter mir: - meine grösste Gefahr liegt hinter mir!

Im Schonen und Mitleiden lag immer meine grösste Gefahr; und alles Menschenwesen will geschont und gelitten sein.

Mit verhaltenen Wahrheiten, mit Narrenhand und vernarrtem Herzen und reich an kleinen Lügen des Mitleidens: - also lebte ich immer unter Menschen.

Verkleidet sass ich unter ihnen, bereit, mich zu verkennen, dass ich sie ertrüge, und gern mir zuredend "du Narr, du kennst die Menschen nicht!"

Man verlernt die Menschen, wenn man unter Menschen lebt: zu viel Vordergrund ist an allen Menschen, - was sollen da weitsichtige, weit-süchtige Augen!

Und wenn sie mich verkannten: ich Narr schonte sie darob mehr, als mich: gewohnt zur Härte gegen mich und oft noch an mir selber mich rächend für diese Schonung.

Zerstochen von giftigen Fliegen und ausgehöhlt, dem Steine gleich, von vielen Tropfen Bosheit, so sass ich unter ihnen und redete mir noch zu: "unschuldig ist alles Kleine an seiner Kleinheit!"

Sonderlich Die, welche sich "die Guten" heissen, fand ich als die giftigsten Fliegen: sie stechen in aller Unschuld, sie lügen in aller Unschuld; wie vermöchten sie, gegen mich - gerecht zu sein!

Wer unter den Guten lebt, den lehrt Mitleid lügen. Mitleid macht dumpfe Luft allen freien Seelen. Die Dummheit der Guten nämlich ist unergründlich.

Mich selber verbergen und meinen Reichtum - das lernte ich da unten: denn jeden fand ich noch arm am Geiste. Das war der Lug meines Mitleidens, dass ich bei jedem wusste,

- dass ich jedem es ansah und anroch, was ihm Geistes genug und was ihm schon Geistes zuviel war!

Ihre steifen Weisen: ich hiess sie weise, nicht steif, - so lernte ich Worte verschlucken. Ihre Totengräber: ich hiess sie Forscher und Prüfer, - so lernte ich Worte vertauschen.

Die Totengräber graben sich Krankheiten an. Unter altem Schutte ruhn schlimme Dünste. Man soll den Morast nicht aufrühren. Man soll auf Bergen leben.

Mit seligen Nüstern atme ich wieder Berges-Freiheit! Erlöst ist endlich meine Nase vom Geruch alles Menschenwesens!

Von scharfen Lüften gekitzelt, wie von schäumenden Weinen, niest meine Seele, - niest und jubelt sich zu: Gesundheit!

Also sprach Zarathustra.
http://www.gutenberg.org/cache/epub/7205/pg7205.html


Nach oben
  
 
BeitragVerfasst: Mo 25. Jun 2012, 02:12 
Hier mal ein eigenes Gleichnis. :)

"Seht ihr den Tsunami denn nicht kommen?", fragte der Weise das Menschenvolk.

"NEIN!", riefen sie fast einhellig!
"Es bedarf keiner Vorkehrungen, denn ich sehe weit und breit kein Wasser", meinte einer, woraufhin die meisten jubelnd zustimmten.

"Hört hin Leute, ich kunde von fernen Landen, und es begab sich, dass ich hörte, wie schon unzählige wundervolle Gärten von der Welle verschlungen wurden, also bauet doch bitte zusammen Dämme, um eure eigenen Gärten, und die eurer Nachbarn vor der grossen Flut zu schützen!", erwiderte der Weise.

"Wozu sollten wir denn Dämme bauen, wenn der Wasserpegel kontinuierlich zurückgeht? Du bist ein Spinner! Hast Du denn Keine Augen im Kopf?", meinte einer entrüstet.
Und ein anderer merkte an, dass es ihn einen Dreck schere, was mit Gärten in fernen Landen passiert, solange nur sein eigener Garten, und der seiner Nachbarn, schön gepflegt und angenehm sei, woraufhin der Jubel der Massen zu tosendem Gedröhne anschwoll.

Der Weise aber hatte genug gesehen, bedankte sich, und begab sich von der Ebene hin zu fernen Hügeln. Kurz bevor er ging, flüsterte er im Umdrehen lediglich noch "Wer nicht hören will...", und marschierte los, während seine hellhörigen Ohren bereits das Rauschen wahrnahmen.

Wie er später, nachdem alles vorbei war, erfuhr, hatten einige - meist die nicht jubelnden - seine warnenden Worte doch noch bedacht, und sind ihm in grosse Höhen gefolgt.

Ps. Eigentlich steckt hierin mehr als nur ein Gleichnis - viel Spass bei der Interpretation. ;)


Nach oben
  
 
BeitragVerfasst: Mo 25. Jun 2012, 10:19 
Offline
Platin Member
Platin Member
Benutzeravatar

Registriert: So 13. Aug 2006, 08:34
Beiträge: 757
Wohnort: da
Zitat:
Der Schattenspringer

Ein junger Mann wollte gutes tun und ein guter Mensch sein. Oft jedoch gelang es ihm nicht.

Seine Bequemlichkeit siegte und anstatt gutes zu tun, verschanzte er sich hinter Trägheit und Ausreden.

Jeden Abend, wenn er ins Bett ging, sah er sich in einem Traum.
Dort stand er in einer wunderschönen, sonnendurchfluteten Landschaft. Die Sonne hoch am Himmel und vor seinen Füßen ein klarer, dunkler, scharf umrissender Schatten.

Der Schatten war das Symbol für seine Schwächen, seine Trägheit und Bequemlichkeit.
In seinem Traum versuchte er immer wieder über seinen Schatten zu springen.

Er wollte so gerne seine Schwächen überwinden. Jede Nacht arbeitete er in seinem Traum daran.

Er erfand neue Sprungtechniken, machte immer höhere und weitere Sprünge. Doch es wollte ihm nie gelingen, seinen Schatten hinter sich zu lassen.

Viele Jahre ging das so.

Eines Nachts sah er sich auf einer Wanderschaft mit dem heiligen Franz. Der wirkte ständig ausgeglichen und fröhlich und unser Schattenspringer fragte ihn nach seinem Geheimnis.

"Wie schaffst Du es nur, ständig so ausgeglichen und fröhlich zu sein?
Wenn ich auf meine Fehler schaue und versuche darüber hinweg zu kommen, so drückt mich das zu Boden und macht mich unglücklich. Ich schaffe es nicht wirklich."

Der heilige Franz lachte und antwortete ihm: "Auch ich habe noch viele Fehler, auch, wenn Du sie nicht siehst. Die einzige Lösung, die es gibt, lautet: Schau auf Gott, nicht auf Deine Fehler, sieh Deine Stärken, nicht Deine Schwächen. Mit dem, womit Du dich beschäftigst, zu dem wirst Du."

Langsam dämmerte die Erkenntnis in unserem Schattenspringer. In der folgenden Nacht sah er sich in seinem Traum, wie er sich von seinem Schatten ab- und der Sonne zuwendete.

Er spürte die angenehme Wärme und das Licht, dass ihn nun durchflutete und das er all` die Jahre lang nicht wahrgenommen hatte.

Er hatte seinen Schatten übersprungen. Und von diesem Tage an war auch er ein glücklicher und ausgeglichener Mensch.


Was nicht bedeutet, dass er keine Schwächen mehr hatte. Die waren ihm wohl bewusst, er steckte lediglich keine Energie mehr hinein.

;)

_________________
http://www.vimeo.com/elfilmias
http://www.youtube.com/elfilmias

Wage du, zu irren und zu träumen! Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.
(Schiller)


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Mo 25. Jun 2012, 11:50 
Offline
Platin Member
Platin Member
Benutzeravatar

Registriert: Mi 7. Nov 2007, 15:08
Beiträge: 1983
Wohnort: am See
Zitat:
»Wenn Gott jetzt seine Herrschaft aufrichtet, geht es ähnlich zu wie bei einem Senfkorn, das jemand auf seinen Acker gesät hat.
Es gibt keinen kleineren Samen; aber was daraus wächst, wird größer als alle anderen Gartenpflanzen. Es wird ein richtiger Baum, sodass die Vögel kommen und in seinen Zweigen ihre Nester bauen.«

»Wenn Gott sein Werk vollendet, wird es sein wie bei dem Netz, das im See ausgeworfen wurde und Fische aller Art einfing: Als es voll war, zogen es die Fischer an Land, setzten sich hin und sortierten den Fang. Die guten Fische kamen in Körbe, die unbrauchbaren wurden weggeworfen. So wird es auch am Ende der Welt sein. Die Engel Gottes werden kommen und die Menschen, die Böses getan haben, von denen trennen, die getan haben, was Gott will.
Sie werden die Ungehorsamen in den glühenden Ofen werfen; dort gibt es nur noch Jammern und Zähneknirschen.«

_________________
Liebe Respekt Anarchie


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Mo 25. Jun 2012, 12:19 
Seit wann wird denn aus einer Senfpflanze ein Baum? ;)


Nach oben
  
 
BeitragVerfasst: Di 3. Jul 2012, 12:59 
Offline

Registriert: Di 3. Jul 2012, 12:46
Beiträge: 5
Ich liebe das Höhlengleichnis! Auch, dass die Bedeutung stehts individuell ausgelegt werden kann! :)


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: Fr 20. Jul 2012, 23:13 
Zitat:
Im Shaolin-Tempel gab es einen Saal der tausend Spiegel.
Es kam ein Hund in diesen Saal und sah sich plötzlich umgeben von tausend Hunden.
Er knurrte und bellte seine vermeintlichen Gegner an und auch die zeigten ihm natürlich tausendfach die Zähne.
Daraufhin wurde der Hund rasend vor Wut und diese Wut schlug ihm tausendfach zurück, so dass er vor Überanstrengung starb.

Irgendwann kam wieder ein Hund in den Spiegelsaal und auch er sah sich tausendfach umgeben von anderen Hunden.
Er freute sich und wedelte mit dem Schwanz und hatte plötzlich tausend Freunde.
http://www.mysticalforum.ch/viewtopic.php?f=29&t=12932&hilit=saal+der+spiegel


Nach oben
  
 
BeitragVerfasst: Mo 24. Sep 2012, 00:15 
In einem Faustkampf auf Leben und Tod, hält man dem Gegner den Hals niemals direkt so hin, dass er die messerhaltende Hand nur noch hinunterziehen muss…

__________________________________________________________________________

Ich glaube, die dunkelste Stunde vor dem Sonnenaufgang ist nicht mehr allzuweit…
Vor dem neuen Tagesanbruch wird aber wohl oder übel noch ein gewaltiger Sturm toben...


Nach oben
  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 50 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4  Nächste

Alle Zeiten sind UTC - 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
[ Time : 0.044s | 15 Queries | GZIP : On ]