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 Betreff des Beitrags: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Mi 30. Mai 2012, 20:15 
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Wir sind Menschen.

Und somit Parasiten auf diesem Planeten.

Beschenkt mit unendlichen Möglichkeiten.

Getrieben von inneren Zerrüttungen, Schmerz, Stress, alltäglichem Mühsal.
Mit dem einen Ziel, etwas zu erreichen im Leben.
Und rundherum serbelt alles dahin.

Und in jedem Mensch wohnt ein Dämon. Ganz wenige Menschen haben es geschafft, ihn zu besiegen oder mit ihm Frieden zu schliessen. Manche arbeiten ihr Leben lang daran und gehen daran zugrunde. Manche nehmen ihren Dämon mit ins Grab, während sein Erbe die Kinder des Verstorbenen befällt, sie zu blutsaugenden, ekligen Monstern macht.
Monster wie du und ich.

Tagtäglich diskutieren wir mit unserem Dämon, streiten mit ihm, verachten ihn und verachten schliesslich die ganze Welt wegen ihm.

Ich will ihn loswerden. Ihn zerstückeln, ihn foltern, zu Tode treten, auf den Mond schiessen, pulverisieren.
Aber er scheint unsterblich zu sein.

Ja, er kann sich wandeln. Er kann zu einem weissen, geflügelten Pferd werden, zu einem feuerroten Drachen. Bereit, die Welt zu verändern. Er kann von Stress zu Flow werden, von Angst zu Liebe, von Leid zu Glück.

Doch die meisten Dämonen wachsen und wachsen und wachsen und werden zu gierigen Ungeheuern, die alles Gute im Menschen vernichten.

Seid ihr alle GLÜCKLICH? Kämpft ihr nicht auch Tag für Tag mit euch selbst? Spricht nicht Tag für Tag euer Dämon zu euch?
Spricht er nicht ständig von Geld und Wohlstand? Von gegen euch gerichteten Intrigen, von Menschen die ihr verachten sollt? Von Systemen, in die ihr euch fügen sollt? Von Gesellschaften, die etwas von euch verlangen? Von der mühsamen Arbeit, die euch zu Glück bringen soll?

Tötet ihn ab! Mit Alkohol, mit Nikotin, mit materiellen Gütern, mit Junk Food, mit allem was euch berauscht und flasht. Aber wird er dadurch nicht ständig stärker?

Der Dämon der Menschheit sitzt an den Hebeln der Macht.
In den obersten Etagen.
ER bringt euch dazu, zu glauben, was in der Zeitung steht. Zu glauben, dass wir durch Selbstdefinition glücklich werden. Zu glauben, dass wir als Teil einer Gesellschaft eine Konsumverpflichtung haben, für das Ganze, für die Gemeinschaft.

ER ist dafür verantwortlich, wenn in Brasilien der Amazonas abgeholzt wird, damit wir hier in der Schweiz unsere Kühe mit billigem Kraftfutter aus Soja zu Tode pushen können, damit wir tagtäglich unser Joghurt und anderen Käse auf dem Tisch haben dürfen.

Ich will doch nur in einer Welt leben, in der nicht alles fragwürdig ist.
Und ich will nicht denken.
Ich will sein.
Sonst nichts.
Und ich will meinen Dämon als weisses, geflügeltes Pferd sehen, das so leicht ist, dass es bis zu den Sternen fliegt...immer weiter bis zur Quelle des Glücks.


Alles ist fragwürdig.
Der Traktor. Er stösst Abgase aus und verbraucht Diesel. Er besteht aus hunderten Einzelteilen, die wohl zu einem grossen Teil ökologisch nicht sinnvoll aus der Erde gerissen wurden. Stahl, Plastik (wohin mit all dem Plastik auf der Welt??? während ich dies denke, trinke ich aus einer Petflasche und sitze an einem weiteren Gerät, dessen Ursprung ebenfalls ökologisch bedenklich ist, Atomstrom frisst und allerlei Müll enthält, der kaum zu entsorgen ist), Glas, verschiedenste Kunststoffe, Öl, Fett, Gummi etc.
Und wer in ländlichen Gegenden wohnt, merkt, wie unbedacht diese Monster eingesetzt werden. Der Boden wird verdichtet, die Pflanzen verdrückt, es kommt zu Erosion. Die Natur versucht dies zu regeln mit...Blacken. Blacken haben die Fähigkeit, mit ihren bis zu 2 Meter in den Boden reichenden Pfahlwurzeln den Boden aufzulockern. Nur dauert das lange. Doch der Mensch hat keine Zeit. Dämonen haben sowieso NIE Zeit.

Die Cremetube. Woher kommt der Plastik? Wieso Plastik? Woher kommen die Ingredienzen? Wurden sie ökologisch sinnvoll erzeugt?

Ist doch egal. Hauptsache konsumieren.

Lebt, liebe Kinder, lebt. Und kümmert euch nicht um das AKW da hinten. Das dampft halt so vor sich hin. Viel mehr ist da nicht. Eines Tages werdet ihr euch fragen, woher die Energie aus der Steckdose kommt. Und man wird euch erklären, dass das stetig dampfende Ding da hinten diese erzeugt. Abfall? Gibts hier nicht! Den gibts in der dritten Welt und im Meer und im Boden, aber nicht bei uns.

Sehr ihr, liebe Kinder, selbst in Kölliken sieht man den Abfall nicht. Stattdessen ein gigantisches Stahlgerüst, das wunderschön weiss in den stahlblauen Himmel ragt.

Wisst ihr, liebe Kinder, eines Tages werdet ihr einem Dämon begegnen. Und dann werdet ihr euch fragen, wieso ihr plötzlich so viel nachdenken müsst. Dann werdet ihr andere dafür beschuldigen. Ihr werdet andere dafür umbringen.
Ihr werdet vielleicht selber ein AKW bauen und allen sagen, dass es sicher ist. Ihr werdet dicke, fette Autos fahren und jede Nacht eine Edelnutte ficken. Weil ihr es euch verdient habt. Ihr habt hart gearbeitet dafür. Dann müsst ihr euch auch nicht mehr fragen, woher eigentlich der Nespresso-Kaffee kommt, den ihr literweise in euch reinschüttet. George Clooney wirds schon richten. Überhaupt werdet ihr Grosskonzerne wie Nestle plötzlich sympatisch finden. Ihr müsst euch dann nicht mehr fragen, ob irgend etwas auf irgend eine Art und Weise ethisch vertretbar ist.

Und vielleicht, liebe Kinder, werdet ihr euch eines Tages fragen, wieso eigentlich alle Erwachsenen, die selber einmal liebe Kinder waren, plötzlich soviel Scheiss machen, wieso sie AKWs bauen und dicke Autos fahren und Edelnutten ficken und Nespresso trinken. Und ihr werdet sehen, dass sie hart gearbeitet haben dafür. Und dass sie es sich verdient haben. Genau so, wie ihr es euch verdienen müsst, ein Leben zu Leben, in dem ihr nicht immer alles in Frage stellen müsst.

AMEN

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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Mi 30. Mai 2012, 20:25 
:ove: !!!!!!!!!!

Ps. Ich verweise hier (vorerst?) mal, aufgrund akuter Zeitdämonen in der scheinbaren Vergänglichkeit des multidimensionalen Quantencomputers, auf Onkel Friedrich.
Da finden sich sehr viele Antworten...
...und noch mehr Anregungen und Inspirationen, das eigene Sein, das eigene Denkenfühlen in eine neue "Dimension" zu katapultieren!
http://www.gutenberg.org/ebooks/7205


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Mi 30. Mai 2012, 20:36 
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Also sprach Zarathustra?

Ich habe VERSUCHT das zu lesen. Aber....…sowas Anspruchsvolles, Verschlüsseltes, Verworrenes ist mir bisher noch nie in die Finger gekommen. Man wäre wohl besser bedient man würde sich mit der Sekundärliteratur bzw. der Entschlüsselung dieses Werkes befassen. Weil...einfach so fällt es mir sehr schwer zu verstehen, was der Herr Nietzsche genau sagen wollte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Mi 30. Mai 2012, 22:16 
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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 10:42 
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ist das nicht ein bisschen zu einfach? alle Schuld am Elend dieser Welt sich selbst aufzulasten, oder bzw. dem inneren Dämon (in den 70ern nannten sie das einfach Ego, aber Begriffe müssen sich ja wandeln). Wie praktisch. Aber eigentlich auch nicht ganz fair.

Zitat:
Getrieben von inneren Zerrüttungen, Schmerz, Stress, alltäglichem Mühsal.
Mit dem einen Ziel, etwas zu erreichen im Leben.
Und rundherum serbelt alles dahin.


Na und? Das ist doch gut so! Stell Dir vor, keiner hat mehr Ziele und Antriebe, versucht mehr etwas zu erreichen. Was wäre denn, wenn rundherum alles dahinserbelt und dies dazu führte, dass die Menschen aufgeben, und sich ihrem Schicksal ergeben? Schmerz bedeutet nichts anderes, als dass Du überhaupt noch spürst, denn wenn Du keinen Schmerz mehr verspürst, innerlich nicht mehr zerrüttet bist, dann bist Du wirklich so gut wie tot. Mag sein, dass es Leute gibt, die das drauf haben, aber hey, willst Du denn so sein wie sie? Du bist Du, und sei doch stolz darauf wie Du bist. Was interessieren Dich die anderen? Die Welt ist nun mal schlecht. Das ganze Universum ist ein riesengrosser Fehler, ein Irrtum, fehlkonzipiert und mangelhaft zusammengeschustert. Das gesamte Sein, die gesamte Existenz denkend-fühlender Wesen ist im Grunde genommen kaum auszuhalten, bzw. eine Frechheit, ein Verbrechen an diesen Wesen. Aber wir müssen nunmal da durch, und das beste draus machen.

Es mag ja sein, dass es "romantisch" klingt, wenn man sich von den "gesellschaftlichen Zwängen" (TM) (R) (C) löst. In der Praxis führt es einfach dazu, dass man sich ein Leben lang ungesund von Käse und Brot ernährt, während neben einem gerade die Fülle vorbeirauscht, die Technologie einen überholt und man - sollte man sich jemals wieder in die Matrix begeben wollen - geradezu erschlagen wird, von dem Angebot dort. So gesehen gibt es nur entweder oder. Steig aus und verrotte glücklich aber stetig vor Dich hin - oder bleib um himmelswillen drin, friss Fleisch, wie es seit Anbeginn der Menschheit das Vorrecht des Adels war... Ausserdem wer weiss denn schon, ob das mit dem Wiedergeboren werden und dem Karma nicht doch stimmt. Falls ja: so möchte ich doch in diesem Leben, nicht verzichten, wenn ich daran denke, dass ich im nächsten bereits wieder irgendein Mulitreiber sein werde, dessen grösster Luxus darin besteht, einmal im Monat einen Schluck aus der Brandy Flasche zu trinken, den irgendein Tourist vor fünf Jahren hier gelassen hat...

Egozentrik hat den Vorteil, dass man endlich erkennt, dass "man" als einzelperson a) sowieso nichts ändern wird und "man" b) durch das Abwägen der Vorgänge in der Welt auch kein besserer, glücklicherer und glück-gebender Mensch wird. Eher im Gegenteil. Schau Dir doch Politiker an, sind die "happy" ? Sie sitzen an der Macht, ihr Job beinhaltet genau das worüber wir oft nur quasseln - aber im Grunde genommen sind auch sie nur getrieben von Stress, inneren Zerwürfnissen und dem alltäglichen Mühsal. Und glücklich machen sie auch niemanden.

Was ich sagen will: Ist doch egal. Hauptsache konsumieren.

Wir sind definitiv nicht auf die Welt gekommen um uns 50 von 100 Jahren damit zu beschäftigen wie Scheisse doch alles ist. Es ist einfach so, akzeptier's. Und sei froh, bist Du hier auf die Welt gekommen, und nicht in irgendeiner Chinesischen Fabrik. Letztere hatten halt einfach Pech.

Ist das herzlos? Zu wenig altruistisch? Oder einfach nur eine nüchterne Betrachtung der Tatsache dass das Universum einfach bescheuert ist.
(Was übrigens die eigentliche Kernaussage dieser Replik ist und auch so verstanden werden sollte.)

Wen es GLÜCKLICH macht, für die Rechte der Arbeiter, oder die Rechte der Dritten Welt oder sonst was in der Art zu kämpfen, wohl auch gegen die Windmühlen der Borniertheit und der Sturheit oft aber auch einfach der Ratlosigkeit der Umgebung, mach doch! Jean Ziegler hat es sein Leben lang getan, und ihm gefällt das anscheinend. Gebracht hat es überhaupt nichts. Die Situation ist genau die gleich wie vor Jean Ziegler. Tampi. Oder auch jänu. Wenigstens einen Menschen hat er glücklich gemacht: sich selbst.

und das ist mehr als die meisten von sich behaupten können...

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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 11:49 
SO FUCKING DETERMINED hat geschrieben:
Also sprach Zarathustra?

Ich habe VERSUCHT das zu lesen. Aber....…sowas Anspruchsvolles, Verschlüsseltes, Verworrenes ist mir bisher noch nie in die Finger gekommen. Man wäre wohl besser bedient man würde sich mit der Sekundärliteratur bzw. der Entschlüsselung dieses Werkes befassen. Weil...einfach so fällt es mir sehr schwer zu verstehen, was der Herr Nietzsche genau sagen wollte.

Ja, Zarathustra! Sonst hät' ich das nicht gebracht. ;)
Darf ich fragen, wie Du es gelesen hast? Weil dieses Buch kann man nicht in einem Rutsch lesen, wenn man es wirklich verstehen will. Es ist dazu gedacht, um "häppchenweise" aufgenommen und verarbeitet zu werden... ...dann findet man auch den Schlüssel - in sich Selbst :)
Und mit dem Schlüssel ist es nicht verworren... es ist Licht...

Genau darum gehts eben dabei! Darum rate ich auch dringend von Sekundärliteratur ab, weil er ohnehin kaum von jemandem wirklich verstanden wird. Aber Dir, und speziell Dir Selbst, trau ich es zu, es bis in die Tiefe zu verstehen.
Anspruchsvoll? Was ist denn Kant? ^^ ;)

Ps. @FA Hier irrst Du Dich, mein Freund... es ist nicht egal... alles andere wie gleich-gültig!
Und die ganze Scheisse wär auch absolut nicht notwendig... aber klar... die Freiheit der Wahl aufzugeben hat man jederzeit... aber auch diese Entscheidung bringt dann entsprechende karmische Reaktionen und programmiert quasi schon supertolle Nachfolgeinkarnationen im leicht fehlerbehafteten Quantencomputer (Kausalitätsdelay/Vergessen), die wohl alles andere als angenehm sein werden dann...


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 12:36 
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FA nichts gegen Dein Urteilvermögen aber woher weisst Du eigentlich Deine schon mehrfach getätigte Aussage, dass das universum bescheuert ist und das zB die Handlungen von Ziegler nichts gebracht haben? ist das vielleicht dieser angesprochene innere "Dämon" der Dir das erzählt? wo bleibt die viel angepriesene "logik"? ist es logisch etwas nicht messbares in eine absolute Form zu bringen? Universum dumm, J.Z. wirkungslos?

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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 17:15 
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Ich versuche nur der in "aufgeklärten" Kreisen üblichen Selbstverzweiflung und Anklage ein bisschen Paroli zu bieten.
Das muss nicht unbedingt logisch sein. Immerhin bin ich ein Mensch. Noch dazu bin ich ein "Wesen". Lebendig also, ergo nicht logisch. Logisch oder? Nein, ich bin kein Vulkanier und im grossen und ganzen wohl auch einfach irgendwie der gleichen Ansicht wie der Threadstarter. Aber ich will einfach nicht immer nur sagen, "ja es ist alles gut, wenn man's nur gut macht". Vieles liegt im Argen. Deswegen aber den Kopf in den Sand zu stecken, es wahlweise auf den Teufel, die inneren Dämonen oder Chemtrails zu schieben, das ist (jedenfalls für mich) nicht der Weg. Was ich zuvor schrieb, das schreibe ICH, nicht mein Ego, mein Dämon - keine Ausreden. Denn so leicht es ja auch ist ein Ideal zu beschreiben, und sich dann fröhlich zu fühlen, weil man sich einbildet - ignorant sozusagen - man hätte dieses zumindest teilweise erreicht, oder um sich frustriert zu fühlen, weil man erkennt, dass man ja doch nicht so idealistisch ist, wie man es vorgibt zu sein - so leicht das auch sein mag: es bringt einen nicht weiter.
Was Jean Ziegler angeht: ich sagte sein K(r)ampf, dem er sein Leben widmete, habe keine Auswirkung gehabt. Diese Aussage ist tatsächlich ein Irrtum. Zumindest in dem Bereich, worin er sich kraftvoll betätigte. Wie ja auch andere immer wieder bewiesen haben, dass ein Einzelner durchaus einen gewissen Einfluss haben kann. Jedoch... an der Grundsituation welche unter anderen Dude schon ausführlich darlegte, hat sich eben doch nichts geändert. Nach wie vor sind 98% der Menschheit Sklaven. Und daran ändert sich nicht so schnell irgendwas, nicht zuletzt, weil viele mit mehr Freiheit gar nicht umgehen könnten.
Die absolute Antithese zum herrschenden System ist ja völlige Anarchie. Hier muss man die philosophische Anarchie drunter verstehen. In einer Welt, worin die Menschen idealen entsprechen, ist Anarchie, also völlige Gesetzlosigkeit durchaus das Beste aller "Systeme" weil es eben an und für sich kein System ist. Nur... mit der aktuell auf diesem Planeten lebenden Menschheit ist diese Anarchie nur herer Wunschtraum und Anarchie würde immerzu einzig und allein zu einem völligen Niedergang führen, worin die Macht des Stärkeren noch viel ausgeprägter ausgelebt würde, als es jetzt schon ist.
Die Gesellschaft ist ziemlich schlecht. Die Menschen in ihr sind es auch. Und dennoch muss man einsehen, dass es noch viel schlimmer wäre, gäbe es diese (teilweise grauenhaften, unfairen, dummen) gesellschaftlichen Regeln - ja sogar Gesetze - nicht.

Das allein soll einen nicht daran hindern, ebendiese Regeln anzugreiffen, sie in Frage zu stellen, sie in ihrem Kern auseinanderzunehmen (hier nun wiederum mit Logik, so verfügbar, oder dann halt mit Enthusiasmus, wenn nur auf diesem Weg erreichbar).

Jammern und Wehklagen, sich selbst geisseln, wie es schon die Geistlichen im Mittelalter probiert haben, das führt zu nichts, ausser dazu dass die starken Schwachen sich selbst degradieren. Selbstzweifel sind ja schön und gut, aber verdammt nochmal! Wir leben nun mal hier! Hier in dieser paradiesischen - wenn auch etwas bescheuerten - ersten Welt. Was wollen wir denn noch mehr? Dass es allen Menschen gut geht? Und wie soll das erreicht werden, indem wir unseren Way of Life auf den Rest der Menschheit übertragen, wie es ja schon die Kreuzritter, das römische Reich, die katholische Kirche und George Bush versuchten?

Glücklich sind wir ja auch nicht, mit dem was wir haben, woher nehmen wir also diese Gewissheit, dass das was wir haben, irgendwen glücklicher macht, als er zurzeit ist?

@Leuchtherz
ich fass es mal zusammen:
- man muss töten (essen) um zu leben
- das Leben (auch von Steinen, Sonnensystemen etc.) ist endlich, sterben immanenter Bestandteil
- Wahrheit, Authentizität, Liebe und Gerechtigkeit sind unterlegen
- Das Böse (zusammengefasst gesagt), wird "benötigt", damit das Universum funktioniert.

Wer so etwas herstellt, hat entweder sadistische Attribute, oder ist einfach nur dumm.
Wenn ich omnipotent wäre, könnte ich das besser - und ich bin nur ein kleiner, unbedeutender Existierender,
Nichts also, im Vergleich zu dem was das Göttliche angeblich sein soll.
Und sollte es tatsächlich nichts göttliches geben, wäre es also nur Zufall - was ändert das daran, dass dieser Zufall derart unlogisch, ja geradezu lebensfeindlich ist, in seiner Ausgestaltung?

Und wir? wir haben ein schlechtes Gewissen, weil wir mal die Grünabfuhr in die Müllabfuhr schmeissen? Als ob es eine Rolle spielt!

@Dude
Gerade wenn diese karmischen Dinge ihre Wirkung in irgendeinem nächsten Leben entfalten - wie Du schon sagst: Vergessen gehört zu diesem Spiel dazu, also was kratzt es mich, was irgendeine Kopie meiner Existenz im nächsten Leben erfährt? Ich lebe jetzt! Und das weiss ich und vergesse ich auch nicht so schnell... Ich bin nicht sicher ob das wirklich meine Meinung ist, aber es ist das was ich jetzt gerade einfach mal loswerden will. Karma hin oder her. Ich - jetzt, hier - hat das Recht, den freien Willen dazu nutzen, einfach mal laut und deutlich zu sagen: Das Unviersum wie es ist, entspricht nicht meiner Vorstellung von einem ideal! Ist nicht das, was es sein KÖNNTE. Ist allzusehr vom Weg abgekommen. Und weil ich das so empfinde, will ich geradezu dieses All auskosten, meine Glücksgeburt in dieser Zeit in diesem Raum geniessen, so ich dazu fähig bin, und ja: nach mir die Sintflut - wenn ich Glück habe, bekomme ich die ja aus karmischen Gründen sogar live mit.

Wir reiten auf Feuerrädern durch die Nacht. (nena)

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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 17:27 
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Ich glaube, ich verstehe das sooooo gut. Und ich spüre das auch, ganz stark. Und auch mich frustiert es, berührt es und ich verstehe es nicht. ABER (auf die Gefahr hin, als hoffnungslos naiver Hippie hingestellt zu werden): NICHT AUFGEBEN! NICHT RESIGNIEREN! Wir alle können etwas bewirken. Wir müssen VERANTWORTUNG übernehmen, für das was wir tun. Nicht bloss reden, sondern handeln. Wir werden immer mehr. Und jeder und jede zählt. Überdenken wir unser Konsumverhalten. Lasst uns nicht mehr so viel Abfall produzieren. Werden wir vegan (und sei es nur aus ökologischen Gründen). Gehen wir auf die Strasse. Engagieren wir uns. Gehen wir wählen. ES IST MÖGLICH! Und jeder und jede, der/die NICHT wegsieht und es versucht, ist wichtig und wertvoll. Gandhi sagte, sei die Veränderung, die du sehen willst, in der Welt. So ist es. Und keiner und keine kann sagen, 'aber nur ich kann ja nichts bewirken'. Nur wenn jeder und jede so denkt, passiert nichts.

WIR HABEN ES IN DER HAND!

Und ich weiss, es ist nicht einfach. Aber es wird nie anders oder besser, wenn WIR uns nicht einsetzen dafür, so gut wir können.

Ich dulde keine Widerrede *grins*


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 18:23 
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@ Dude: Naja, weisst du, ich habe Mühe mit Büchern die man nicht möglichst schnell lesen kann. Ich bin ein sehr undisziplinierter Leser. Ich habe viel angefangen und das Meiste irgendwann weggelegt, teilweise ganze mehrteilige Schinken, teilweise sogar beim letzten Band als es am Spannendsten war. Plötzlich hat man keine Zeit mehr und das Buch wieder in die Finger zu nehmen ist mühsam weil man eh wieder alles vergessen hat.
Aber ich denke mal wenn es wirklich so viel Tiefsinn haben soll wie du sagst und meine Fragen beantworten könnte, werde ich wohl wiedermal einen Blick hineinwerfen.

@ FA3: Entschuldigung wenn ich das sage, aber was du schreibst kommt mir ziemlich konsterniert vor. So wie ein grosser Denker (der zu zweifelsohne bist), der alle Hoffnungen aufgegeben hat. Wenn ich dich recht verstehe, dann ist es sowas wie ein Plan des Lebens, dass es sich selbst zugrunde richtet bis eben gar nix mehr lebt. Aber das kann doch nicht das Ziel sein! Dann könnte ich mir ja einfach jeden Tag die Birne wegschiessen mit irgendwelchem Müll weil ja eh alles den Bach runtergeht. Immerhin wäre dann das ewige Gequassel in meinem Kopf weg.

Es gibt ja Lösungen! Die aufzulisten wäre unnötig, denn wir wissen alle um was es geht. Kein Fleisch mehr zu essen wäre sicher ein Riesenschritt. Keine Autos mehr zu fahren ein noch viel grösserer. Den Kapitalismus aufzuheben ein gigantischer. Wieso tut man das nicht einfach??? JUST FUCKING DO IT! Hahaha, aber nein, nicht doch, liebe Kinder, das geht doch gar nicht. Wie soll denn der Nikolaus all die Geschenke einkaufen wenn es kein Geld mehr gibt?

Naja, egal...vielleicht hat FA3 eben doch recht. Vielleicht sind wir alle viel zu verliebt in unsere rosaroten Gedankenschlösser einer frohen, heilen Welt.

Also sprach der Dämon

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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 18:43 
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Es wird sich nichts ändern, wenn wir nur jammern und uns selbst bemitleiden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 18:52 
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Es wird sich aber auch nichts ändern wenn wir den Staat einfach sein Ding durchziehen lassen. An irgend einem Punkt muss der Mensch den Staat eben stürzen, auch wenn dieser den Menschen nicht direkt bedroht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 18:56 
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Das will ich ja sagen. Wir müssen handeln. Im Bezug auf alles, was sich ändern soll/muss und alles, was wir sehen, das uns stört. Sonst ändert sich nichts. Und dafür hat jeder und jede einzelne von uns Verantwortung.


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 19:10 
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@ SFD, wirklich sehr gut auf den punkt gebracht
hab auch ab und zu wieder so phasen wo mir fast den kragen platzt...

aber letzendlich ist jeder nur für seine taten verantwortlich...

darum:

moonlightfairy hat geschrieben:
Wir alle können etwas bewirken. Wir müssen VERANTWORTUNG übernehmen, für das was wir tun. Nicht bloss reden, sondern handeln. Wir werden immer mehr. Und jeder und jede zählt.
WIR HABEN ES IN DER HAND!
Aber es wird nie anders oder besser, wenn WIR uns nicht einsetzen dafür, so gut wir können.


=D>
(und sorry das ich nu teilwis quotet han ;) )

ganz i dem sinn gönnds au z quebec uf d strasse...

If we talk, if we exchange ideas and debate the future of our society, we will want to change it. And nothing terrifies the powerful more than a change to the system which gives them their power.

The most honest reason which can be given for why people are in the street is the simplest. We do not see ourselves reflected in our government. But we see ourselves, our concerns, our hope, our love and our aspirations, reflected in every smiling face we see on the street. For the first time in a long time we are having a real conversation about what kind of society we want. We’re having it with each other, every night when we meet in the streets. And slowly, but surely, we are realizing that we have the power to make our dreams a reality.


aus http://occupylove.org/

...und wenn ich mich amigs doch auno ufrege #-o

chömedmer zum glück die schöne wort in sinn..Danke dir Mozart!

Mozart hat geschrieben:
es soll eine revolution der herzen sein!

am anfang sind es augenblicke, dann momente, dann minuten, stunden, tagen wochen und für immer.
die revolution beginnt bei uns selber. wir können es in uns auslösen, ganz freiwillig und mit so viel liebe.

ich finde es sowieso nachhaltiger für was zu sein als gegen was.
also bin ich für den frieden und nicht gegen den krieg.
ich bin für die liebe und nicht gegen den hass.

wer sich mal auch nur für einen augenblick aus dem kopf lösen kann und ins herz geht, wird es spühren.
noch intensiver zu erfahren jetzt in der wunderschönen natur draussen im frühlingsgewand.
etwas zu verändern beginnt immer bei einem selber, daraus formt sich die dann immer die (um-) welt.

peace &blüemli
/color

_________________
In den Momenten, in denen es uns gelingt, zu sein, was wir sind, ohne zu fragen,
was wir sein sollten, funkelt unser Lebenslicht wie ein heller Stern.

Liebe das Leben
aber lebe die Liebe.

***G L O B A L I Z E *** LOVE


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 Betreff des Beitrags: Re: Vom Ekel des Menschseins
BeitragVerfasst: Do 31. Mai 2012, 19:17 
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Wohnort: Muuuh!
Jaja, sehr blumig. Den Erbauern von AKWs geht das am Arsch vorbei.

Kennt ihr das Stück Dynamit von Mani Matter? Ich bin ja im Grunde gegen Gewalt, aber genauso finde ich dass viel Elend auf dieser Erde vom ewigen Geschwurbel einiger weniger Sesselfurzer abhängt. Wieso sprengt man diese Arschlöcher nicht einfach mal in die Luft?

_________________
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