Möchte mich zu dem Thema auch mal äussern.
Dark oder nicht Dark, Progi, Full-On, Psy-Core, Night-Psy……Musiker unter sich mögen sich so über den Sound unterhalten können – mich bringt das überhaupt nicht weiter. Nicht dass ich eine musikalische Banause wäre – die Unterscheidungen kenne ich nun einfach mal nicht und ehrlich gesagt sind sie mir auch egal. Dies hat zur Folge, dass ich dann auch nicht sagen kann welche Musik wann nun gelaufen ist
Mir ist einfach aufgefallen, dass sich die Partys nun schon seit einigen Jahren verändert haben und das hat einerseits mit den Besucherinnen und Besuchern und auch mit der Musik zu tun – diese lässt sich aber meines Erachtens nicht wirklich oder nur schwer voneinander trennen.
Als nicht-Drogen-Konsument ist es bei mir schon von Anfang an klar, dass ich an den meisten Partys mal für ein Weilchen (meist so zwischen 3-6 Std.) schlafen gehen werde. (Muss aber auch nicht immer sein. Gibt auch immer wieder mal eine Party wo ich durchtanze bis zum Ende) Wann das ich mich hinlege hängt total vom Partyverlauf und von meiner Stimmung und der Stimmung auf der Tanzfläche ab.
Nach meiner Wahrnehmung hat sich die ‚Szene’ seit der ersten grossen Zoom grundlegend verändert. Die ‚Kundschaft’ an Goa-Partys ist der von ‚normalen’ Technoparties ähnlicher geworden – und damit auch die Drogen die konsumiert werden. Hoher Alkoholkonsum – mehr Stoffe die zum ‚Durchtanzen/Durchhalten’ da sind. (Auf Details kann ich mich nicht einlassen, da ich auch da nicht gross der Experte bin) Einher mit dieser Entwicklung gehen für mich auch Themen wie z.B. der Müll, Naturverbundenheit, Respekt untereinander… etc. die hier jetzt aber nicht Thema sind.
Für mich als absoluten Outdoor-Tanz-Freak blieb mir nichts anderes übrig, als diese Entwicklung zu akzeptieren und mich so zu organisieren, dass die Partys für mich ein lohnenswerter Genuss bleiben. Abgrenzen musste ich mich immer – es wurde aber etwas anstrengender.
Back 2 Topic:
Was mir aber aufgefallen ist, dass ich immer mehr die ‚Nacht-Stunden’ meide. Die Zeit zwischen 2/3 Uhr bis zum Sonnenaufgang ist für mich selten eine Freude. Auf der Tanzfläche hat es viele (mehrheitlich männliche) Personen welchen ich kaum in die Augen schauen, geschweige denn mich auf sie einlassen kann (kalt, hart, verbissen, traurig…). Es wir nebeneinander und weniger miteinander getanzt. Die Hemmungen sind tief: Frauen werden doof angemacht – der Müll einfach an Ort und Stelle fallengelassen, man wird angerempelt oder einem auf die Füsse gestanden ohne dass die Person dies bemerkt und brennende Zigis sind eine Gefahr für Körper (in der Hand beim Tanzen) und Füsse (brennend an den Boden gespickt)…
Vielleicht ist dies auch nur meine Wahrnehmung – in dieser Zeit finde ich meist die Musik auch härter, kälter und manchmal schon fast brachial. An einer Outdoorparty kann ich mich da zurückziehen, das ganze etwas aus der Ferne betrachten, etwas ans Feuer sitzen oder eben dann auch mal Schlafen – Indoor ist meist keine Flucht möglich und darum sind solche Partys für mich passé.
Die Dämmerung bringt dann meist einen Wandel. Könnte sein, dass sich einige verziehen, weil die hemmungslose Zeit vorbei ist – da man sich ja wieder sieht. Auf jeden Fall wird es angenehmer und ich habe häufig den Eindruck, dass ich nicht die einzige Person bin, welche auf diesen Moment gewartet hat um wieder auf der Tanzfläche zu erscheinen.
Ein Kollege von mir hat mal gesagt: “Das beste ist der Sonnenaufgang – die hässlichen Typen hauen ab und die schönen Frauen kommen tanzen“
Ob sich das Ganze auf diese einfache Formel runterbrechen lässt weiss ich nicht.
Fakt ist: es bringt nichts auf Musikstilen rumzuhauen. Wahrnehmung ist immer subjektiv und niemand kann dem anderen sagen wie er/sie etwas zu verstehen hat. Dunkel, hart, lieblos: auf Musik bezogen ist das für jeden/jede wohl etwas anderes. Eine Organisation kann aber auch durchaus Einfluss auf die gespielte Musik haben und diese nach dem Konzept der Party auswählen. Ich möchte tolerant sein – auch wenn es Sachen gibt, welche ich nicht akzeptieren kann und will. An Partys muss ich mich mit den ‚dunklen’ Nachtstunden einfach arrangieren können – so wie mit den Drogenkonsumenten auch. Prügeldrogen brauchen halt vielleicht auch Prügelmusik (?)
Ich will niemandem sagen was er/sie zu tun hat und was ihm/ihr passen soll. (und ich will auch nicht behaupten ‚Dark’-Freaks seien alles Drogenkonsumenten)
Beim Somuna-Festival ist mir aufgefallen, dass es sich bei den BesucherInnen grossmehrheitlich um Personen gehandelt hat, welchen Goa-Parties am Herzen liegen. Das hat sicherlich mit der ‚Philosophie’ des Festivals zu tun aber auch sicher mit den schlechten Wetterbedingungen die viele von einem Besuch abgehalten haben. Von dem her war die 'harte' Nachtmusik wohl schon nicht ganz passend. Warme Sommernächte und mehr BersucherInnen hätten das Gesicht des Festivals sicher verändert (auch Müllmässig) und ev. wären dann die Reports auch anders ausgefallen.
Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand