Ich finde grundsätzlich die blinde Verteufelung von Dealern, besonders wenn es um Aussagen geht wie "Ich besorg mir meine Drogen woanders", mehr als fragwürdig. In dieser Sache bin ich in etwa Kollegollis Meinung.
Ich denke, man muss immer unterscheiden, ob ein Dealer der Goa-Party "dient", oder ob er nur an sich selbst denkt, und ihm der eigentliche Anlass (und eine Goa-Party ist eben nun mal
auch eine Drogenparty) egal ist. Im ersteren Falle geht es also um ein kollektives Bedürfnis, im zweiten nur um ein subjektives. Die Leute wollen auf einer Goa-Party was kaufen und was konsumieren, und viele von denen wollen in der Zeit zwischen den Goa-Partys nichts kaufen "können", weil sie außerhalb von solchen Party keinen Alltag mit Drogen führen wollen. Für solche Menschen ist es doch gerade recht wenn man auf den Partys was gutes kaufen kann. Und das ist gerade auf Goa-Partys oft der Fall.
Ob ein Dealer davon lebt, oder nur sein Taschengeld verdient ist doch vollkommen egal. Wenn es tatsächliche solche Leute gibt (davon bin ich überzeugt), die auf einer Goa-Party die Drogen, nicht in der Absicht möglichst viel durch möglichst wenig zu verdienen, verkaufen, sondern weil sie der Ansicht sind, dass die Drogen (Partydrogen) genauso wie der Chai oder die Deko zu einer Party gehören, und dass viele Menschen diese Partys als was sehr Spezielles und eine Ausnahme ansehen und gleichermaßen praktizieren, die mit diesen Substanzen die Party bewusst erleben und sie nicht verschlafen wollen, dann finde ich das moralisch vollkommen in Ordnung. Die Realität sieht dann sicherlich etwas anders aus, aber man muss doch auch die tiefere Absicht dahinter sehen, und nicht nur die Schattenseiten beleuchten. Was bringt eine Goa-Party wenn man durch die lange und mühsame Arbeitswoche oder wegen einer ewig langen und stressigen Anfahrt (über 5 Stunden!) auf eine Party total übermüdet ankommt, und gegen die Erschöpfung kämpfend sich zwingen muss den Sound zu hören und Partystimmung entstehen zu lassen, wenn es einfach nicht geht? Dann legt man sich hin, und wacht irgendwann mal auf und stellt fest, dass man die Hälfte, aber meist mehr von der Party und von dem Line-Up (meist den besten Teil) verpasst hat, und darf mehr oder weniger wieder einpacken und nachhause fahren.
Ich kann ja verstehen, dass es viele Menschen gibt, die nahezu jede Woche auf derartige Partys gehen. Wenn sich solche Leute regelmäßig mit Partydrogen abfüllen, gehen sie langsam aber sicher zugrunde. Man sieht also, es gibt unterschiedliche Arten von Besuchern, Bedürfnissen und vor allem gibt es unterschiedliche Sichten auf eine Goa-Party. Wenn ich auf einer Goa-Party auf einem Chai-Stand von einem netten Menschen ein LSD erhalte, dann bin ich dafür dankbar und ehre seinen Mut, mir diesen verkauft zu haben. In der Schweiz, wo es durch die kaum vergleichbare Toleranz der Behörden und Bevölkerung besonders viele schöne Goa-Partys gibt, kommen vor allem Schweizer leicht an alles ran. Sich dann aber zurückzulehnen, und von der ganzen Welt erwarten, ihr persönliches "Dealer-Arsenal" zu haben, halte ich für ein Gerede der Verwöhnten.
Deswegen finde ich die Frage, ob der Dealer Freund oder Helfer sein soll, sinnlos. Er ist weder das eine noch das andere. Er ist einfach nur ein Mensch wie jeder andere Mensch auch, der eine Funktion/Rolle erfüllt. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Vielleicht spielt bei einer Goa-Party jedes mal ein anderer diese Rolle? Mag sein, und kam sicherlich sogar vor, was aber auch veranschaulicht, des diese Rolle zu einer Goa-Party dazugehört. Sie hilft, dass Menschen, die ein Leben mit Verantwortung und vielen Verpflichtungen führen, und die nicht einfach so von Arbeit auf Party umschalten können, weil das auch nicht möglich ist, trotzdem eine Goa-Party in voller Pracht erleben können ... sie müssen zwar danach den Schlaf nachholen, aber das, was sie durch die Party erhalten, hält bei weitem länger an als durch den Schlaf nachgeholt werden muss. Und dieses positive, lang bleibende Gefühl, welches noch Wochen nach einer Party erhalten bleibt, ist der eigentliche Wert dieser Partys.
Menschen böser Gesinnung gibt es überall. Das hat nichts mit dealen zu tun. An Goa-Partys, worin viele Menschen mehr als nur eine elektronische "Tanzveranstaltung" mit UV-Licht und ein Paar Freaks sehen, sondern zwar eins mit Drogen behaftetes aber nicht darauf fixiertes Event, wo also Drogen Mittel aber nicht Zweck sind (außer bei den Clubbers, die noch zusätzlich durch den Isra-Trance/Full-On angezogen werden

), sollte ohnehin der Begriff "Dealer" etwas differenziert werden.