Ephedra-Arten enthalten herzkreislaufwirksame Alkaloide. Das bekannteste, das Ephedrin, sowie Norephedrin und N-Methylephedrin wirken amphetaminähnlich und haben deshalb ein ähnliches Abhängigkeitspotenzial wie Amphetamine. Die chemische Struktur dieser Phenylethylamine ähnelt der des Adrenalins. Der Wirkstoffgehalt ist von Pflanze zu Pflanze, aber auch schon von einer Jahreszeit zur anderen unterschiedlich.
„Mormonentee“ ist ein Aufguss aus den Blättern des Strauches Ephedra nevadensis, der mit einem Säuerungsmittel wie Zitronensaft aufgegossen eine erhebliche Menge an Ephedrin aufweist. Der Name stammt von dem ehemaligen Gebrauch unter Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (oft „Mormonen“ genannt), denen der Genuss von Kaffee verboten ist - inzwischen allerdings auch dieser Tee.
Ephedrae herba ist ein nach dem Deutschen Arzneibuch hergestelltes Produkt, das als Ephedrae herba conc. verkauft wird und einen Gehalt von 0,7 bis 1,7 % an Gesamtalkaloiden aufweist. Wobei es noch viele weitere Sorten des Krautes gibt und angeblich sogar vereinzelt bis zu 4 % an Gesamtalkaloiden aufweisen kann. Der Gehalt kann auch innerhalb des gleichen Krautes variieren, ebenso natürlich bei den verschiedenen Sorten.
Das Ephedra-Kraut selbst kann man nicht mehr in deutschen Apotheken ohne Rezept erwerben, denn seit der Änderung des Arzneimittelgesetzes AmG vom 1. April 2006 sind nun sämtliche ephedrinhaltigen Substanzen (inkl. Pflanzenteile) rezeptpflichtig. Ephedra (Meerträubel) unterliegt der Kategorie 1 des Grundstoffüberwachungsgesetzes (GÜG).
Bekannt war die Wirkung des Ephedrin bereits im alten China, wo es als Hustenmittel und Stärkungsmittel, insbesondere aber auch für die Leistungssteigerung von Sklaven benutzt wurde. In Europa wurde es erstmals 1557 im Kräuterbuch von Adam Lonitzer erwähnt.
Ephedrin ist ein natürlich vorkommendes Alkaloid, das aus der Pflanze Ephedra sinica, aber auch aus anderen Ephedra-Arten (z. B. dem Meerträubelkraut) gewonnen wird (und daher auch in Mormonentee enthalten ist). In konzentrierter und aufbereiteter Form oder die synthetisch gewonnene Substanz und dessen Diastereomer Pseudoephedrin wurden und werden unter anderem erfolgreich gegen die Symptome asthmatischer Anfälle eingesetzt, gilt aber als veraltet und wurde durch bessere Arzneistoffe verdrängt. Es findet noch Gebrauch bei Hypotonie/Kreislaufschwäche sowie als Mittel zweiter Wahl bei Narkolepsie. In der Augenheilkunde wurde es – wie auch das Pseudoephedrin – als Ersatz für Atropin benutzt.
Für die systemische Gabe bei nasaler Kongestion steht inzwischen das erwähnte Pseudoephedrin oder Phenylephrin mit einem günstigeren Nebenwirkungsprofil aufgrund von geringerer Liquorgängigkeit zur Verfügung.
Ephedrin stimuliert direkt und indirekt die adrenerge Transmission. Ephedrin setzt genau wie Amphetamin Noradrenalin und Adrenalin frei. Da es keine OH-Gruppen am Phenylring aufweist, ist es sehr gut gehirngängig, hat jedoch keine Affinität zu α- oder β-Rezeptoren. Eine übliche Dosis liegt bei 25-50 mg, wobei eine Dosis von über 50 mg zu unangenehmen Nebenwirkungen führen kann. In den Niederlanden gibt es Pillen mit Dosierungen bis 850 mg des rohen Extraktes, was einem Ephedringehalt von etwa 50 mg entspricht.
Ephedrin verringert die Proteinabbaurate und steigert vermutlich auch die Proteinbiosynthese. Durch die erhöhte Körpertemperatur kommt es zur Fettverbrennung im Körper. Unter Umständen kann es auch eine euphorisierende und aphrodisierende Wirkung haben, die jedoch fast immer mit Erektionsschwierigkeiten verbunden ist. Es erweckt den subjektiven Eindruck, geistig oder körperlich mehr leisten zu können, was objektiv aber nicht nachgewiesen werden konnte.
Bei Überdosierung sind die Nebenwirkungen vielfältig: Unruhe, Angst, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Tremor, Pulsrasen, Schwitzen, Atemschwierigkeiten, Verwirrtheit, Halluzinationen, Delirium, Kopfschmerzen, (selten: Krämpfe).
Bis 2001 waren Ephedrinpräparate frei in deutschen Apotheken erhältlich, jedoch wurde der freie Zugang verwehrt, weil diese Präparate hauptsächlich nur zum Missbrauch gekauft wurden (Appetitzügler, Partydroge).





